Der Plan von Fifa-Präsident Gianni Infantino, die kommerziellen Rechte für künftige Weltmeisterschaften an Investoren zu verkaufen, ist praktisch tot. Das beherzte Eingreifen der Europäischen Fußball-Union (Uefa) hat den Vorstoß gestoppt. In einem Kommentar für den Spiegel analysiert Peter Ahrens die Hintergründe und möglichen Konsequenzen dieser Entwicklung.
Infantinos umstrittener Plan
Infantino wollte mit dem Investorenmodell neue Finanzquellen für die Fifa erschließen. Geplant war, die Vermarktungsrechte für die WM-Turniere der Jahre 2026 bis 2034 an einen externen Finanzpartner zu vergeben. Kritiker befürchteten einen zu großen Einfluss externer Geldgeber auf den Weltfußball und eine Entfremdung von den traditionellen Werten des Sports. Insbesondere die Uefa sah ihre eigenen Interessen und die der nationalen Verbände bedroht.
Uefas beherztes Eingreifen
Die Uefa unter Präsident Aleksander Čeferin zog schnell die Notbremse. Mit einer Boykottdrohung gegenüber der Fifa machte der europäische Verband klar, dass man nicht bereit sei, einen derartigen Deal hinzunehmen. „Die Argumente der Europäer sind nachvollziehbar“, schreibt Ahrens. Die Uefa spiele damit endlich ihre Stärke aus, die in ihrer wirtschaftlichen und sportlichen Bedeutung für den Weltfußball liege. Die Europäer stellen die meisten Top-Ligen und Nationalmannschaften, die für den Erfolg einer WM unabdingbar sind. Ohne europäische Beteiligung wäre eine Weltmeisterschaft kaum denkbar.
Der Druck zeigte Wirkung: Infantino ruderte zurück. Der Investorenplan liegt auf Eis, faktisch ist er gescheitert. Ahrens betont jedoch, dass dies kein Grund zur Euphorie sei. „Die Argumente der Europäer können sich schnell gegen sie selbst wenden“, warnt er. Denn die Fifa hat nun erkannt, wie verletzlich sie ist, und könnte künftig andere Wege suchen, ihre Ziele durchzusetzen.
Ein Pyrrhussieg für die Europäer?
Ahrens sieht die Gefahr, dass die Uefa mit ihrem Vorgehen einen Präzedenzfall geschaffen hat. Sollte die Fifa in Zukunft mit noch radikaleren Plänen kommen – etwa der Gründung einer eigenen globalen Liga oder der verstärkten Kooperation mit reichen Klubs und Investoren aus Asien und dem Nahen Osten –, könnte die Uefa erneut in die Defensive geraten. Die jetzige Blockadehaltung könnte zudem das Verhältnis zwischen den Verbänden nachhaltig beschädigen.
Ein weiterer Punkt: Die finanzielle Kluft zwischen der Fifa und der Uefa könnte sich vergrößern. Während die Uefa mit der Europameisterschaft und der Champions League hohe Einnahmen generiert, sucht die Fifa händeringend nach neuen Geldquellen. Scheitert ein Modell, wird das nächste kommen – möglicherweise mit weniger Rücksicht auf die europäischen Belange.
Die Entscheidung der Uefa, dem Plan eine klare Absage zu erteilen, sei daher zwar richtig, aber nicht risikofrei, resümiert Ahrens. „Endlich spielt die Uefa ihre Stärke aus – aber sie sollte sich nicht zu sicher sein, dass dies immer gelingt.“ Der Weltfußball bleibt ein Spannungsfeld zwischen den Kontinenten, und der nächste Konflikt ist bereits absehbar.



