Uruguay steht vor dem entscheidenden Gruppenspiel gegen Europameister Spanien am Samstag (2.00 Uhr/ARD und Magenta TV) unter enormem Druck. Nur ein Sieg sichert den Einzug in die K.o.-Runde der Fußball-Weltmeisterschaft. Trainer Marcelo Bielsa, von Pep Guardiola einst als „bester Trainer der Welt“ bezeichnet, droht mit seinem Team das frühe Aus – eine Blamage für den zweimaligen Weltmeister.
Schwache Auftritte gegen Außenseiter
Die bisherigen Leistungen Uruguays gegen Saudi-Arabien (1:1) und Kap Verde (2:2) waren enttäuschend. Die Mannschaft wirkte lethargisch, uninspiriert und desorganisiert. Dabei ist das Team mit Stars wie Fede Valverde (Real Madrid) und Darwin Núñez (früher FC Liverpool) stark besetzt. Dennoch fehlt es an Spielfluss und Durchschlagskraft. Bielsa selbst räumte ein: „Das ist eine gewaltige Herausforderung für uns.“
Bielsas extremer Führungsstil in der Kritik
Der 70-jährige Argentinier, bekannt als „El Loco“ (Der Verrückte), fällt bei der WM durch ungewöhnliches Verhalten auf. So sitzt er bei Spielen auf einer Eisbox, schaut in Interviews zu Boden und weigerte sich, beim offiziellen Fotoshooting in die Kamera zu blicken („Ich bin kein Modell“). Zudem legt er sich offen mit der FIFA an, insbesondere kritisiert er die Trinkpausen während der Spiele: „Sie bringen dem Spiel nichts und nehmen ihm viel weg.“
Bittere Parallelen zur WM 2002
Bereits 2002 erlebte Bielsa mit Argentinien ein ähnliches Debakel. Trotz Stars wie Gabriel Batistuta, Diego Simeone und Mauricio Pochettino schied das Team als Titelfavorit in der Vorrunde aus. Das Magazin „SoyFutbol“ fragte nun: „Wird dieser Trainer einfach überbewertet?“ Bielsas Karriere ist geprägt von Erfolgen – viermal argentinischer Meister mit zwei Clubs, Olympiasieg 2004 mit Argentinien, WM-Teilnahme mit Chile 2010 und Europa-League-Finale mit Athletic Bilbao 2012 – aber auch von wiederkehrenden Erschöpfungszuständen seiner Mannschaften.
Harte Kritik von Altstar Luis Suárez
Uruguays Rekordtorschütze Luis Suárez trat wegen Bielsa aus der Nationalmannschaft zurück und äußerte sich kritisch über dessen Führungsstil. „Es gab Spieler, die ein Treffen mit ihm vereinbarten, um den Trainer zu bitten, uns zumindest 'Guten Morgen' zu sagen“, erzählte Suárez über die Zeit bei der Copa América 2024. Der 39-Jährige, der mittlerweile mit Lionel Messi bei Inter Miami spielt, wird von den Fans bei jedem WM-Spiel auf der Tribüne gefeiert – was den Druck auf Bielsa zusätzlich erhöht.
Jüngere Spieler halten zu Bielsa
Trotz der Kritik kann Bielsa auf die Loyalität seiner jüngeren Spieler setzen. Mittelfeldspieler Nicolas de la Cruz sagte vor dem Spanien-Spiel: „Wir müssen selbstkritisch sein, Korrekturen vornehmen, hart arbeiten und den Kopf oben behalten. Oder wie wir in Uruguay sagen: Wir müssen Scheiße fressen!“ Der Zusammenhalt im Team soll helfen, die schwierige Aufgabe zu meistern. Ein Sieg gegen Spanien ist Pflicht, um das drohende Vorrundenaus abzuwenden.



