Ein aktueller Werbespot von Adidas zur Fußball-Weltmeisterschaft der Männer sorgt für Aufsehen: Schauspieler Timothée Chalamet nennt US-Nationalspielerin Trinity Rodman neben Stars wie Jude Bellingham und Lamine Yamal als eine der Größten im Fußball. Im Clip treten auch Lionel Messi und Zinédine Zidane auf – doch Rodman ist die einzige Frau auf dem Platz. Kein Spieler der US-amerikanischen Männer-Nationalmannschaft schaffte es in den Spot.
Ein Symbol für die Vormachtstellung der US-Fußballerinnen
Die Präsenz Rodmans in einem Werbespot zur Männer-WM ist kein Zufall, sondern Ausdruck einer Realität: In den USA ist Frauenfußball längst populärer und erfolgreicher als der Männerfußball. Während die US-Männer bei Weltmeisterschaften selten über das Achtelfinale hinauskamen, haben die US-Frauen vier WM-Titel (1991, 1999, 2015, 2019) und vier olympische Goldmedaillen gewonnen. Laut einer Studie des Sports Marketing Research Institute generierte die US-Frauen-Nationalmannschaft zwischen 2016 und 2019 mehr Einnahmen (50,8 Millionen US-Dollar) als die Männermannschaft (49,9 Millionen US-Dollar).
Deutscher Frauenfußball hinkt hinterher
In Deutschland wäre ein solcher Werbespot undenkbar. Zwar gewann die deutsche Frauen-Nationalmannschaft 2003 und 2007 die Weltmeisterschaft, doch die mediale und kommerzielle Aufmerksamkeit bleibt weit hinter der der Männer zurück. „In Deutschland ist der Männerfußball so dominant, dass Frauenfußball oft als Nische wahrgenommen wird“, sagt Sportsoziologin Prof. Dr. Gabriele Sobiech von der Universität Hamburg. „In den USA hingegen werden Sportlerinnen als Marken aufgebaut und gefeiert.“
Die National Football League (NFL) als Vorbild?
Ein Grund für den Erfolg des US-Frauenfußballs ist die professionelle Vermarktung und die frühe Förderung. Die National Women's Soccer League (NWSL) wurde 2012 gegründet und zieht seitdem internationale Stars an. Zudem erhalten die Spielerinnen in den USA oft höhere Gehälter als ihre männlichen Kollegen in der Major League Soccer (MLS). Laut einem Bericht der „New York Times“ verdiente die US-Frauen-Nationalspielerin Alex Morgan im Jahr 2020 rund 450.000 US-Dollar – mehr als der durchschnittliche MLS-Spieler.
Kulturelle Unterschiede in der Wahrnehmung
Während in Deutschland Fußball traditionell als Männersport gilt, ist in den USA die Gleichstellung im Sport weiter fortgeschritten. „Die USA haben eine starke Tradition des Frauensports, die auf die Zeit von Titel IX zurückgeht – einem Gesetz von 1972, das Gleichstellung im Bildungswesen, auch im Sport, vorschreibt“, erklärt Sobiech. Dies habe dazu geführt, dass Mädchen und Frauen früh Zugang zu Sportprogrammen haben und als Leistungssportlerinnen akzeptiert werden.
Die Männer-WM 2026 als Chance
Die nächste Männer-WM findet 2026 in den USA, Kanada und Mexiko statt. Die US-Männer hoffen, dann endlich an die Erfolge der Frauen anknüpfen zu können. „Die Männer wollen bei dieser WM aufholen“, zitiert der Tagesspiegel einen nicht namentlich genannten US-Fußballfunktionär. „Aber sie haben noch einen langen Weg vor sich, um das Niveau der Frauen zu erreichen.“
Der Adidas-Spot zeigt, dass die US-Frauenfußballerinnen bereits jetzt eine Vorbildfunktion haben – nicht nur für junge Mädchen, sondern für den gesamten Fußball.



