Die 15. Etappe der Tour de France endete mit einem schweren Sturz des dänischen Topfahrers Jonas Vingegaard, der sich dabei das Schlüsselbein brach und die Rundfahrt aufgeben musste. Der Gesamtzweite stürzte rund 20 Kilometer vor dem Ziel in der engen Ausfahrt eines Kreisverkehrs und prallte heftig auf die Straße. Unter Schmerzen wurde er bandagiert in einen Rettungswagen gebracht und später zum Röntgen-Mobil geführt. Die Verletzung erfordert eine Operation.
Pogacar zeigt sich betroffen
Der slowenische Gesamtführende Tadej Pogacar reagierte schockiert auf das Aus seines Rivalen. „Die Tour wird ohne ihn nicht mehr dieselbe sein. Es ist wirklich traurig“, sagte Pogacar. Er betonte den gegenseitigen Respekt: „Seit 2021 kämpfen wir eigentlich ständig gegeneinander um die Siege. Ich würde sogar sagen, dass wir inzwischen auch ein Stück weit Freunde geworden sind.“
Evenepoel triumphiert, Lipowitz verliert an Boden
Der große Gewinner des Tages war der Belgier Remco Evenepoel, der die Bergankunft auf dem Plateau de Solaison vor Pogacar und dessen Teamkollegen Isaac Del Toro gewann. Es war der erste Etappensieg für das deutsche Team Red Bull-Bora-hansgrohe seit knapp drei Jahren. Evenepoel festigte damit seine Position als Kapitän, während der deutsche Vorjahresdritte Florian Lipowitz mit 58 Sekunden Rückstand Fünfter wurde und nun kaum noch Argumente für die Kapitänsrolle hat. In der Gesamtwertung führt Pogacar mit 5:00 Minuten Vorsprung vor Evenepoel; Lipowitz liegt als Fünfter 50 Sekunden hinter Del Toro auf Rang drei.
Lipowitz als fairer Teamplayer
Lipowitz, der dem Sturz von Vingegaard knapp entging, zeigte sich als fairer Teamplayer: „Natürlich freue ich mich riesig, dass Remco heute gewinnen konnte. Für unser Team ist das ein großer Erfolg. Es war einfach schön zu sehen, dass er heute die Beine dafür hatte.“ Die Rollenverteilung für die Schlusswoche werde man „in Ruhe im Team“ besprechen. Auf eine Helferrolle stellt er sich bereits ein: „Ich denke schon, dass es wahrscheinlich darauf hinauslaufen wird.“ Gänzlich begraben will er seine eigenen Ambitionen aber nicht: „Ich bleibe zuversichtlich. Es ist noch lang und es kommen noch sehr harte Tage. Das größte Ziel ist, auf dem Podium jemanden zu haben.“
Nächtliche Dopingkontrollen sorgen für Ärger
Die Etappe wurde zudem von unangekündigten Dopingkontrollen überschattet, die die Fahrer aus dem Schlaf rissen. Vingegaard wurde um 2 Uhr geweckt, Pogacar um 5 Uhr. „Ich habe gut geschlafen, aber dann klopfte es an der Tür. Es war für mich eine große Überraschung“, sagte Vingegaard bei Eurosport, der zu diesem Zeitpunkt noch nichts von seinem bevorstehenden Sturz wusste. Pogacar, der nur vier Stunden Schlaf hatte, sieht einen möglichen Zusammenhang: „Wenn der Schlaf in einer Nacht so gestört wird, ist man am nächsten Tag vielleicht etwas weniger konzentriert – gerade auf einer anspruchsvollen Abfahrt. Vielleicht hängt das ein kleines bisschen damit zusammen. Ich will die Dopingkontrolle keinesfalls dafür verantwortlich machen, aber ausschließen kann man den Zusammenhang eben auch nicht.“



