Rudi Völler (66) ist seit Februar 2023 Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). In einem ausführlichen Interview mit BILD spricht er über seine fünf prägendsten Momente bei Weltmeisterschaften – als Spieler, Teamchef und Sportdirektor. Gleichzeitig macht er deutlich, dass dies seine letzte WM sein wird.
WM 1986 in Mexiko: Die Cowboy-Hüte
„Das war der Abend nach dem 2:0 im Halbfinale gegen Frankreich. Ich weiß noch genau, wer mit am Tisch saß. (lacht) Das waren immer die gleichen. Andy Brehme und Felix Magath waren dabei, vorne neben mir sitzt noch Thomas Berthold. Wir haben schön gefeiert, mit diesen Cowboy-Hüten. Unter anderem solche Momente sind es, die eine Mannschaft zusammenschweißen“, erinnert sich Völler. Er ergänzt: „Auch wenn die Truppe nicht komplett harmonisch war. Es gab zum Beispiel den Bayern und den Köln-Block. Und ich kann mich bei dieser WM auch noch an eine andere Sache erinnern: Es war ein schönes Hotel, aber wir hatten es nicht exklusiv. Es war das letzte Mal, dass die Presse im gleichen Hotel untergebracht war. Dadurch kamen auch viele Interna nach außen, was für Diskussionen sorgte. Das hat Franz Beckenbauer danach für immer abgeschafft.“
WM 1990: Der umstrittene Elfmeter
Ein umstrittenes Foul des Argentiniers Roberto Sensini an Völler führt im Finale der WM 1990 zum spielentscheidenden Elfmeter (85.). „Auf das Foto werde ich natürlich oft angesprochen. Ob es ein Foul war? Ich sage mal so: Nach heutigen Gesichtspunkten mit der Hilfe des VAR wäre der Elfmeter wahrscheinlich zurückgenommen worden. Aber: Eine Viertelstunde vorher, nach einem Foul an Klaus Augenthaler, hätte der VAR wiederum eingegriffen und direkt Elfmeter gegeben. Deswegen sehe ich das entspannt.“ Völler betont: „Diese Szene war ein entscheidender Moment in meiner Karriere. Wir waren damals eine Weltmeister-Mannschaft, wir hatten die Argentinier am Haken. Ich sage es auch unseren aktuellen Spielern immer wieder: Man gewinnt nationale Meisterschaften oder andere bedeutende Titel. Aber bei einer Weltmeisterschaft dabei zu sein, das ist noch mal etwas ganz Besonderes. Weltmeister bleibst du für immer.“
WM 1994: Das Aus gegen Bulgarien
Völler stand in der Startelf beim WM-Aus 1994 im Viertelfinale gegen Bulgarien (1:2). „Ich war eigentlich zwei Jahre zuvor zurückgetreten, Berti hat mich für die WM zurückgeholt. Und dann bin ich auch zum Einsatz gekommen. Man kann sagen: Bei aller Qualität, die wir hatten, waren wir keine Mannschaft. Lothar (Matthäus, d. Red.) sieht das genauso, das weiß ich aus Gesprächen. Jeder hatte mit sich zu tun, dann gab es auch noch Ärger um die Spielerfrauen. Und vielleicht war auch der ein oder andere Weltmeister zu viel noch dabei. So wie 2018 auch. Darüber habe ich mit Jogi (Löw/die Red) schon mal gesprochen. Vielleicht wäre es auch in Russland schon besser gewesen, weniger Weltmeister im Kader zu haben.“
WM 2002: Trost für Oliver Kahn
Teamchef Völler tröstet Oliver Kahn nach dem verlorenen Finale 2002 gegen Brasilien (0:2). „Ich weiß nicht mehr, was ich in der Szene genau zu ihm gesagt habe. Aber ich weiß noch, wie enttäuscht er war, weil er so enorm ehrgeizig war. Auch wenn er den Fehler im Finale gemacht hat, er hat vorher so viele gute Spiele für uns bestritten. Beim Halbfinale gegen Südkorea hat er uns den 1:0-Sieg gesichert. Das Viertelfinale gegen die USA hat er fast im Alleingang gewonnen. Wir haben eine tolle WM gespielt und er war einer der Hauptakteure.“
WM 2026: Sportdirektor an der Seite von Julian Nagelsmann
Im Bus haben wir eine feste Sitzordnung, Julian vorne rechts, ich daneben. Links von uns sitzen die Co-Trainer. Ob ich sein Bodyguard bin? Ich bin auf jeden Fall jemand, der ihn unterstützt und verteidigt. Ich habe ihm auch klar gesagt: ‚Entscheide so, wie du es für richtig hältst, ohne Rücksicht auf Kritiker von außen, denn es müssen nicht immer alle die gleiche Meinung haben.‘ Meine Aufgabe ist es, ihm zu ermöglichen, die sportlich richtigen Entscheidungen treffen zu können.“
Abschied von der WM-Bühne
Auf die Frage, ob es eine sechste WM für ihn geben wird, antwortet Völler: „Ich weiß, ich werde ja gerne mal schwach. Aber diese ist wirklich meine letzte Weltmeisterschaft. Wenn mein Vertrag endet, nach der EM in zwei Jahren, werde ich 68 Jahre alt sein. Na gut, da könnte jetzt einer sagen, das ist kein Alter, der US-Präsident ist 79 Jahre alt. Aber irgendwann ist auch mal gut. Ich mache Platz für jemand jüngeren.“



