Der ehemalige Nationalspieler und Weltmeister von 1990, Rudi Völler, hat die argentinische Spielweise bei der Weltmeisterschaft scharf kritisiert. In einem Interview äußerte er sich deutlich: „Das hat mit Fußball nichts zu tun.“ Damit reagierte Völler auf die verbreitete Meinung, dass Argentiniens Defensivtaktik als Vorbild für gutes Verteidigen gelte.
Völlers Urteil: Nacktes Zerstören statt Fußball
Völler, der von 1990 bis 1994 Bundestrainer war, zeigte sich unverständlich über die Lobeshymnen auf die argentinische Abwehrarbeit. „Die Argentinier wurden oft als Paradebeispiel für kompromissloses Verteidigen genannt. Aber für mich ist das kein Fußball mehr. Das ist nacktes Zerstören“, sagte der 62-Jährige. Er betonte, dass die Taktik des südamerikanischen Teams nicht nachahmenswert sei und dem eigentlichen Fußballgeist widerspreche.
Der Weltmeister von 1990 spricht Klartext
Die Kritik von Völler kommt nicht von ungefähr. Der gebürtige Hanauer weiß, wovon er spricht: 1990 führte er die deutsche Nationalmannschaft als Spieler zum Weltmeistertitel. Seit Jahren beobachtet er die Entwicklungen im internationalen Fußball und sieht Trends, die ihm missfallen. „Wenn man nur noch darauf aus ist, den Gegner zu stören und eigene Aktionen zu unterbinden, dann hat das wenig mit der Faszination dieses Sports zu tun“, so Völler.
Argentinien hatte bei der WM 2022 in Katar vor allem durch eine stabile Defensive überzeugt und war letztlich Weltmeister geworden. Die Mannschaft von Lionel Messi kassierte in sieben Spielen nur fünf Gegentore, was die Effektivität der Abwehr betont. Dennoch sieht Völler die Entwicklung kritisch: „Erfolg um jeden Preis ist nicht der richtige Weg. Man muss auch den Fußball selbst im Blick behalten.“
Reaktionen aus der Fußballwelt
Seine Aussagen sorgten prompt für Diskussionen. Während einige Experten Völlers Meinung teilen, betonen andere, dass taktische Disziplin und Defensivarbeit nun einmal zum modernen Fußball gehören. „Argentinien hat gezeigt, dass man mit einer soliden Abwehr und effizientem Umschaltspiel große Erfolge feiern kann. Das ist nicht falsch, sondern nur eine von vielen Spielarten“, konterte etwa der ehemalige Bundesliga-Trainer Peter Neururer.
Völler hingegen bleibt bei seiner Linie: „Ich weiß nicht, ob man als Fußballfan glücklich wird, wenn man nur noch Mauern sieht. Da muss mehr kommen.“ Er hofft, dass der deutsche Fußball nicht in diese Richtung abdriftet und stattdessen auf Offensive und Spielkunst setzt.
Die Debatte zeigt einmal mehr, wie unterschiedlich die Auffassungen von attraktivem Fußball sind. Während die einen auf Effizienz und Sicherheit setzen, wollen die anderen Spektakel und Risiko. Völler hat sich klar positioniert – und dürfte damit viele Fußballromantiker hinter sich wissen.



