Die früheren Nationalspieler und -trainer Berti Vogts und Thomas Helmer haben die Einstellung der aktuellen deutschen Fußball-Nationalmannschaft scharf kritisiert. Beide bemängeln, dass die Spieler zu schnell zufrieden seien und nicht mehr das höchste Niveau erreichten.
Vogts: Spieler nicht mehr auf Weltklasse-Niveau
Der 79-jährige Vogts, der Deutschland 1996 zum EM-Titel führte, schrieb in seiner Kolumne für die „Rheinische Post“: „Wir haben im Moment keine Spieler, die auf höchstem Niveau mithalten können.“ Er forderte eine grundlegende Analyse: „Warum sind unsere Spieler nicht mehr Weltklasse? Warum sind wir in den Disziplinen hinten dran, die uns früher stark gemacht haben? Die anderen sind schneller, sie sind athletischer, sie können besser kämpfen. Wir haben entscheidende Entwicklungen im internationalen Fußball verpasst, das wird immer deutlicher.“
Helmer: Spieler nicht an Leistungsgrenze gegangen
Thomas Helmer, EM-Sieger von 1996, warf dem Team vor, nicht alles gegeben zu haben. „Wenn jeder von den aktuellen Spielern an die Leistungsgrenze gegangen wäre – ich bin mir sicher, dann wäre Deutschland noch im Turnier“, sagte der 61-Jährige der „Augsburger Allgemeinen“. Er fordert die Einbindung eines Weltmeisters von 2014, etwa Bastian Schweinsteiger: „Ob das im Trainerteam oder im allgemeinen Stab ist, ist eigentlich egal. Bastian Schweinsteiger etwa hätte den Jungs vielleicht mal erklären können, was es bedeutet, für Deutschland zu spielen und sich da zu zerreißen.“
Vogts plädiert für internationale Orientierung
Vogts schlug vor, dass der Bundestrainer regelmäßig ins Ausland reisen solle: „Der Bundestrainer muss nach England fahren, nach Frankreich, nach Südamerika. Er muss schauen: Was wird da anders und vielleicht besser gemacht, was können wir für uns nutzen?“ Zudem forderte er regelmäßige Treffen mit Bundesligatrainern und ausländischen Nationaltrainern, „um eine moderne Analyse des internationalen Fußballs zu machen. Da lernt man mehr als auf Lehrgängen an der Sporthochschule.“
Beide Ex-Nationalspieler erinnerten an das eigene WM-Aus 1994 in den USA, als Deutschland im Viertelfinale an Bulgarien scheiterte – eine Parallele zur aktuellen Enttäuschung.



