WM-Desaster: Nagelsmann vor dem Aus – DFB-Spitze muss entscheiden
WM-Desaster: Nagelsmann vor dem Aus

Nach dem dritten frühen WM-Aus in Serie hat Bundestrainer Julian Nagelsmann seine Mannschaft zu einer letzten Ansprache versammelt. Die Rede im noblen Anwesen The Graylyn Estate in Winston-Salem war die traurige Pointe einer völlig missglückten USA-Reise, die mit dem Elfmeter-Drama gegen Paraguay in Foxborough endete. Ob es Nagelsmanns letzte Rede als Bundestrainer war, ist ungewiss – eine Entscheidung des DFB wird noch heute erwartet.

Keine Panik, aber klare Konsequenzen

DFB-Präsident Bernd Neuendorf reagierte auf die Frage nach der Zukunft zunächst zurückhaltend: „Jetzt fliegen wir erstmal.“ Doch intern ist klar, dass Nagelsmann kaum zu halten sein wird. Die Niederlage gegen Paraguay war das dritte frühe WM-Aus nach 2018 und 2022 – eine historische Blamage für den viermaligen Weltmeister. Nagelsmann selbst bot an, im Amt zu bleiben und die EM 2028 anzustreben, doch der DFB hat noch nicht öffentlich reagiert.

Die DFB-Spitze um Neuendorf, Sportdirektor Rudi Völler und Geschäftsführer Andreas Rettig muss nun eine schwierige Personalentscheidung treffen. Völler, der Nagelsmann als Wunschtrainer installiert hatte, steht selbst unter Druck. Beide haben Verträge bis nach der EM 2028. Eine schnelle Trennung gilt als wahrscheinlich, zumal Jürgen Klopp als TV-Experte vor Ort war und als potenzieller Nachfolger gehandelt wird.

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Nagelsmann trotzig: „Ich trete nicht zurück“

Nagelsmann zeigte sich nach dem Aus kämpferisch: „Ich bin keiner, der sagt, ich trete zurück, weil wir ausgeschieden sind. Wenn der DFB möchte, dass ich weitermache, mache ich weiter. Und wenn er das nicht möchte, dann muss man mir das sagen.“ Er verwies auf seine Vorgänger Joachim Löw und Hansi Flick, die nach ähnlichen Desastern 2018 und 2022 im Amt blieben. „Deren Outcome war ähnlich“, sagte Nagelsmann. „Es war ähnlich schlecht.“

Kapitän Joshua Kimmich übernahm dagegen Verantwortung: „Ich werde immer die Power haben für einen neuen Anlauf. Was ich niemals tun werde, ist: Aufgeben.“ Kimmich entschuldigte sich bei den Fans und kündigte neue Titel-Anläufe an. Sein Auftritt stand im Kontrast zu Nagelsmanns müdem und leerem Blick, als dieser durch den Kellergang der Arena eilte.

Die Mängelliste des deutschen Fußballs

Nagelsmann räumte ein: „Wenn du in der ersten K.o.-Runde ausscheidest bei so einem großen Turnier mit 48 Mannschaften, ist das deutlich zu wenig für den deutschen Fußball.“ Er gestand Fehler ein, etwa die Nicht-Nutzung Kimmichs im Zentrum und die Rückholaktion von Manuel Neuer, die mehr Unruhe als Ertrag brachte. „Es wäre vermessen, wenn wir nach dem dritten großen Turnier sagen, wir gehören noch zur Weltspitze, das tun wir einfach nicht.“

Sein Ansatz, auf Harmonie statt Leistungsprinzip zu setzen, wird nun kritisch hinterfragt. Konkurrenz um Stammplätze wurde abgeschafft, sportlicher Widerstand blieb aus. Die DFB-Karriere von Rekordtorwart Neuer endet ohne Glanz, die von Nagelsmann droht ein baldiges Ende.

Klopp als Nachfolger im Gespräch

Jürgen Klopp, der als Magenta-Experte das Spiel analysierte, sagte auf die Frage nach einer möglichen Übernahme: „Ich verstehe, dass mein Name genannt wird. Aber es ist nicht der Moment. Es gibt dazu nichts zu sagen.“ Ein klares Dementi blieb aus. In drei Monaten startet die Nations League mit einem Prestige-Duell gegen die Niederlande. Bis dahin müssen alle Fragen geklärt sein.

Die deutsche Fußball-Nation verlangt Antworten. Nagelsmann weiß, dass sein Kredit aufgebraucht ist: „Wenn man heute eine Umfrage macht, dann habe ich die nicht“, sagte er über die Unterstützung der Fans. Die Entscheidung des DFB wird mit Spannung erwartet.

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