WM-Eröffnung in Mexiko: Party, Proteste und Polizei trotz Chaos
WM-Eröffnung in Mexiko: Party, Proteste und Polizei

WM-Eröffnung in Mexiko: Zwischen Party, Protest und Polizei

Das Chaos am Stadiontor schien die Mariachi-Band nicht zu stören. Rechts von ihr versuchten berittene Polizisten, die Menge in grünen Trikots vom Presseingang fernzuhalten. Links davon strömten Streifenwagen, bewaffnete Soldaten und Teambusse vorbei. Doch die Musiker spielten und tanzten einfach fröhlich weiter.

So ist dieses Land eben. So war diese WM-Eröffnung, und so wird vermutlich auch das mexikanische Drittel dieser Weltmeisterschaft in den nächsten vier Wochen sein. Ein einziges Chaos, in dem trotzdem irgendwie alles funktioniert und man nur nie vergessen darf, die Party zu genießen.

Insofern passte es gut, dass die mexikanische Nationalmannschaft gut in das Turnier hineinfand. Schon nach neun Minuten schoss Stürmer Julián Quiñones zum 1:0 ein. Mit diesem Spielstand ging es auch in die Halbzeitpause.

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Kritik im Vorfeld, Freude im Stadion

Im Vorfeld dieser WM wurde viel lamentiert, gemeckert und kritisiert – und das aus den besten Gründen. Von den Ticketpreisen über den politischen Kontext bis hin zum reinen Turnierformat gibt es vieles, was man hier bemängeln könnte. Doch in und um das Aztekenstadion herrschte an diesem Donnerstag vor allem eines: Freude.

„Es ist alles unglaublich“, sagte Beto, ein Mexiko-Fan, der das Chaos ein paar Meter entfernt mit seinem Freund Agustín beobachtete. Karten für das Spiel hätten sie nicht, aber sie wohnten in der Nähe und seien gekommen, um die Stimmung aufzusaugen.

„Für mexikanische Durchschnittsverdiener wie uns waren die Tickets einfach viel zu teuer“, sagte Agustín. „Aber wir sind Mexikaner bis in die Haarspitzen, wohnen hier um die Ecke und wollten das alles trotzdem genießen.“

Angespannte Stimmung im Stadtzentrum

Während am Stadion alle in Feierlaune waren, war die Stimmung im Stadtzentrum deutlich angespannter. Lange hatte man gehofft, dass die streikenden Lehrer ihre Sitzblockade rund um das offizielle Fan-Festival am Zócalo bis zum Eröffnungstag beenden würden. Doch sieben Stunden Verhandlungen mit der Regierung brachten am Mittwoch kein Ergebnis.

Als Tausende Fans am Vormittag auf den Einlass in die Fanzone warteten, standen die Zelte der Protestierenden noch immer dort. Wer es durch die schmalen Eingangstore in die Fanzone schaffte, kam nur schwer wieder heraus. Während die Glücklichen drinnen die Eröffnungsfeier auf der Leinwand verfolgten, war der Unmut der Draußengebliebenen noch deutlich zu hören.

Proteste und Blockaden in Mexiko-Stadt

Die Lehrer blieben dann nicht nur in ihrem Protestcamp. Schon am Vormittag marschierten viele von ihnen südwärts auf der Hauptstraße Calzada de Tlalpan und blockierten damit stundenlang den Verkehr zwischen Stadion und Stadtzentrum. Und sie waren nicht die Einzigen, die an diesem Tag protestierten.

Insgesamt erwarteten die Behörden im Laufe des Tages neun Protestmärsche und 26 Versammlungen verschiedener Gruppen. Am frühen Morgen versammelte sich am Kreisverkehr um den berühmten Ángel de la Independencia eine kleine Gruppe von Stromnetzarbeitern, um gegen eine Rentenkürzung zu protestieren. Vor dem Stadion demonstrierten zudem Familien von Menschen, deren Angehörige im anhaltenden Krieg zwischen dem Staat und den Drogenkartellen verschwunden sind.

„Wir Mexikaner lieben den Fußball, das ist ein großer Teil unserer Kultur“, sagte Montserrat Ramírez Sabino, die seit vier Monaten nach vier vermissten Familienmitgliedern sucht. „Wir haben hierzulande aber eben auch ein Riesenproblem mit verschwundenen Menschen, und darauf wollen wir heute aufmerksam machen.“

Ein Fußballfest für die Welt

Schließlich schaute hier die ganze Welt zu. Geschätzte 1,5 Milliarden Menschen sollten am Donnerstag das Eröffnungsspiel weltweit im Fernsehen verfolgen. Weitere 80.000 strömten am späten Vormittag durch die Stadiontore, um ein neues Stück Geschichte an wohl einem der geschichtsträchtigsten Orte der Fußballhistorie zu erleben.

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Denn jenseits von Shakira, Infantino und dem Rest ging es hier auch um das gute alte Spiel, das keiner von uns so richtig loslassen kann. Die Wucht dieses Stadions, in dem einst Maradona und Pelé Weltmeister wurden, hatte sich schon beim Aufwärmen und während der Nationalhymne angedeutet. Als Julián Quiñones die Gastgeber nach neun Minuten in Führung schoss, zeigte sie sich in vollen Zügen.

Kurze Zeit später stimmten die Zuschauer dann das alte, bittersüße Mariachi-Lied „Cielito Lindo“ an, dessen Melodie mittlerweile in Stadien auf der ganzen Welt gesungen wird, auch in Deutschland. „Ay, ay, ay, ay, canta y no llores“, lautet der Refrain im Original. Singen und nicht weinen. Weil Singen das Herz froh macht.

Am Freitag kommt die WM in Trumps Amerika an. Am Donnerstag war sie jedoch in Mexiko. Der Fußball ist tot. Es lebe der Fußball.