Am Sonntag steigt das WM-Finale zwischen Spanien und Argentinien im MetLife Stadium in East Rutherford. Doch die Aufmerksamkeit gilt nicht nur dem sportlichen Höhepunkt, sondern auch einer ungewöhnlich langen Halbzeitshow. Die FIFA plant eine XXL-Show mit prominenten Acts wie Shakira, Madonna, Justin Bieber, BTS, Burna Boy, Gustavo Dudamel, Coldplay und einem New Yorker Grundschulchor. Sogar die Muppet-Figuren Kermit und Miss Piggy sind angekündigt. Die reine Konzertzeit soll elf Minuten betragen, doch mit Auf- und Abbau der Bühne wird die Pause mindestens 17 Minuten dauern – ein Novum im Fußball.
Verstoß gegen eigene Regeln
Eigentlich schreiben die FIFA-Regeln eine Pause von 15 Minuten vor. Mit der verlängerten Halbzeit bricht der Verband seine eigenen Statuten. „Spätestens seit dem Fall Balogun und Trumps Anruf bei Infantino wissen wir, dass eigene FIFA-Regeln offenbar dafür da sind, um sie zu brechen“, kommentiert Emmanuel Schneider in seinem Beitrag für ntv.de. Die lange Pause könnte auch die Spieler beeinträchtigen. Der Kölner Sportmediziner Hans-Georg Predel warnte, die längere Pause sei „nicht unproblematisch“, da sie „die physiologischen Voraussetzungen deutlich verändert“.
Kritik an Kommerzialisierung
Die Show erinnert stark an den Super Bowl, wo aufwendige Halbzeitauftritte Tradition sind. „Ein solches Event krampfhaft auf den Fußball zu übertragen, wirkt wie kommerzieller Quatsch“, so Schneider. Die Frage drängt sich auf, ob der Sport noch im Mittelpunkt steht oder das Drumherum – Selfies mit Trump, die Siegerehrung durch US-Präsident Donald Trump und FIFA-Chef Gianni Infantino. Trump hatte bereits bei der Klub-WM im Vorjahr die Siegerehrung für sich genutzt.
Frühere Versuche gescheitert
In Deutschland wurde eine Halbzeitshow bereits getestet: Der Auftritt von Helene Fischer im Pokalfinale 2017 wurde von beiden Fanlagern niedergepfiffen und war ein Desaster. Der DFB schaffte die Show schnell wieder ab. In den USA sei eine solche Reaktion am Sonntag nicht zu erwarten, bedauert Schneider. Dabei hätte es vielleicht auch Shakira mit ihrem WM-Hit „Dai dai“ getan.
Die überlangen Pausen sind Teil eines Trends zum Gigantismus bei dieser WM: Aufstockung auf 48 Teams, Pläne für 64 Teams, der Fall Balogun und Hydration Breaks, die weitere Werbeblöcke bringen. Die Fans, die teils horrende Summen für Finaltickets bezahlt haben, erwarten zwar Show, doch Traditionalisten lehnen die Entwicklung ab. Die FIFA scheint dennoch unbeirrt ihren Weg zu gehen.



