WM-Halbfinale: Falkland, Hand Gottes und Messis Premiere gegen England
WM-Halbfinale: Messi debütiert gegen England

Das Kabinenlied der argentinischen Nationalmannschaft ist eine Provokation für die Ohren der Engländer. Es ist ein unmissverständliches Statement: Die Länderspielpremiere von Superstar Lionel Messi gegen das Fußball-Mutterland England wird mehr als ein WM-Halbfinale sein. Der Falklandkrieg 1982 forderte fast 1.000 Tote, über die Hälfte Argentinier. Das politisch aufgeladene Duell im WM-Viertelfinale 1986 mit Maradonas „Hand Gottes“ und seinem Jahrhunderttor kocht 40 Jahre später wieder hoch.

Politische Brisanz und emotionale Lieder

„Ich bin Argentinier von der Wiege bis zur Bahre – für die Malvinas, für Diego und für Leos letztes Kapitel“, singen die Argentinier bei der WM in den USA, Kanada und Mexiko. „Diego“ steht für Maradonas WM-Sperre 1994 wegen Dopings – der Titel sei ihm geraubt worden. „Leo“ ist Messi, der nach dem WM-Triumph 2022 das Double holen soll. Britische Medien wunderten sich, dass die FIFA den Song nicht sanktionierte. 2014 verhängte der Verband eine Strafe von umgerechnet knapp 23.400 Euro, nachdem Argentinien vor einem Testspiel ein Banner mit der Aufschrift „Die Malvinen sind argentinisch“ gezeigt hatte. Die Südamerikaner nennen die Inselgruppe Malvinen, die Engländer Falklandinseln.

Messis besondere Premiere

Messi wird sich vor der Partie am Mittwoch (21.00 Uhr MESZ/Magenta TV und ARD) in Atlanta nicht auf politische Diskussionen einlassen. Der 39-Jährige hat in 205 Länderspielen 125 Tore erzielt, aber noch nie gegen England gespielt. Das verleiht dem Halbfinale neben dem europäischen Gipfel zwischen Frankreich und Spanien besonderen Reiz. „Es stammt alles aus Videos und Bildern, die wir Argentinier uns immer wieder ansehen“, betonte Messi. „Natürlich ist ein Spiel gegen England etwas Besonderes, weil es eine Fußball-Großmacht ist.“ Der argentinische Verband schreibt: „Es gibt Spiele, die Champions küren. Andere, die Legenden schaffen. Und dann gibt es jene, auf die man scheinbar ein ganzes Leben lang gewartet hat.“

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Historische Duelle und Mutmacher

England und Argentinien trafen zuletzt 2005 in einem Testspiel aufeinander (3:2 für England). Bei WM-Endrunden gab es fünf Begegnungen. Nach 1986 trafen sie 1998 im Achtelfinale aufeinander – Argentinien siegte im Elfmeterschießen, David Beckham sah Rot. 2002 verwandelte Beckham einen Strafstoß zum 1:0 in der Gruppenphase. Die Engländer sehen die Partie 1966 als gutes Omen: Sie zogen nach einem 1:0 gegen Argentinien ins Halbfinale ein und wurden Weltmeister – mit drei Hurst-Toren im Finale gegen Deutschland. 60 Jahre später soll ein erneuter Sieg den Weg zum zweiten Titel ebnen. Für Argentinien ist das blaue Ausweichtrikot (wie 1986) ein positives Vorzeichen.

Der Weg ins Halbfinale

Beide Teams überzeugten nicht ohne Vorbehalte. Argentinien marschierte mit Messis sechs Toren durch die Gruppe (Algerien, Österreich, Jordanien). In den K.o.-Spielen gegen Kap Verde, Ägypten und die Schweiz stand die Mannschaft jeweils am Rande des Ausscheidens, rettete sich aber. Angeführt von Messi wirkt sie wie eine eingeschworene Gemeinschaft, die ihrem Star den zweiten Titel bescheren will. England spielte Remis gegen Ghana, siegte gegen Kroatien und Panama, mühte sich gegen die DR Kongo, zeigte starke Leistungen gegen Mexiko und Norwegen. Mats Hummels, deutscher Ex-Weltmeister und Experte bei Magenta TV, befand: „Eine von beiden Mannschaften wird mit 'So-Lala-Fußball' im Finale stehen und eine realistische Chance auf den Titel haben.“

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