Das Spiel um Platz drei bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 zwischen Frankreich und England am Samstag (23 Uhr/MagentaTV und im ntv.de-Liveticker) in Miami steht vor der Tür. Die Begeisterung hält sich in Grenzen. „Niemand von uns oder den Franzosen will dieses Match spielen. Wir wollten ins Finale“, sagte Englands Trainer Thomas Tuchel. Dennoch gibt es durchaus Dinge, für die es sich zu lohnen lohnt.
Der große Abschied von Didier Deschamps
Es wird das letzte Spiel für Didier Deschamps als Nationaltrainer Frankreichs. Seit 2012 lenkt er Les Bleus, führte die Mannschaft zum WM-Titel 2018, zur Vize-Weltmeisterschaft 2022 und war EM-Zweiter 2016. „Ich bin sehr glücklich und stolz auf alles, was wir mit der Mannschaft erreicht haben“, sagte Deschamps. Für ihn sei es auf der persönlichen Ebene nicht wichtig, ob man ins Finale kommt oder nur bis zum Halbfinale.
Während der WM starb seine Mutter, für die Beerdigung flog der 57-Jährige zurück nach Frankreich und überließ seinem Assistenten das letzte Gruppenspiel. Die Spieler dürfte es motivieren, Deschamps mit einem Sieg aus dem Turnier zu verabschieden. „Er ist für einige Spieler wie ein zweiter Vater. Das war bei mir nicht der Fall, aber er hat mir so oft das Vertrauen gegeben, dass ich ihm das auf dem Platz immer zurückzahlen wollte“, sagte Ex-Nationalspieler Olivier Giroud über die Team-Chemie.
Druck auf Thomas Tuchel
Nach dem Halbfinal-Aus und der harten Kritik aus England steht Tuchel unter Druck. Nach der Niederlage gegen Argentinien berichteten englische Medien, der Trainer habe das Vertrauen des Verbandes. Das gilt zunächst, doch die Leistung gegen Frankreich dürfte in die Analyse einbezogen werden. Letztlich wäre es so, dass England die eigentlich erfolgreiche WM mit zwei Niederlagen beenden würde.
„Es ist eine große Leistung, das Halbfinale erreicht zu haben. Aber das will momentan niemand hören, ich übrigens auch nicht“, sagte Tuchel und versprach: „Wir werden uns professionell auf das Spiel vorbereiten.“
Der goldene Schuh und mögliche Rekorde
Das große Wettballern ist weiterhin nicht vorbei. Lionel Messi und Kylian Mbappé führen die Torjäger-Liste gemeinsam mit acht Treffern an. Jude Bellingham und Harry Kane könnten mit aktuell je sechs Toren ebenfalls noch vorbeiziehen. Vor vier Jahren gewann Mbappé den „Goldenen Schuh“, vier Jahre zuvor war es Kane.
Für Mbappé wäre sogar noch ein Rekord möglich. Der 27-Jährige liegt mit 20 WM-Toren in seiner Karriere nur einen Treffer hinter Messi. Geht man davon aus, dass der Argentinier seine letzte WM spielt, könnte sich Mbappé eine Bestmarke sichern, die er wohl für die kommenden Jahrzehnte haben wird.
Preisgeld und Team-Chemie
Es gibt durchaus einen finanziellen Aspekt dieses Spiels. Der Dritte erhält ein um etwa 1,75 Millionen Euro höheres Preisgeld als der Vierte. Das ist auch für wohlhabende Verbände wie die von Frankreich und England nicht wenig Geld.
Zudem können Spieler beider Mannschaften etwas für die Team-Chemie tun, dürfen dabei aber den sportlichen Aspekt aus genannten Gründen nicht aus den Augen verlieren. Spieler mit geringen Einsatzzeiten sollten eine Chance bekommen, eine komplette B-Elf werden wohl weder Deschamps noch Tuchel aufstellen.
Kritik am Spiel um Platz drei
Der große Louis van Gaal echauffierte sich bereits vor mehr als einem Jahrzehnt über dieses Spiel. „Das sollte niemals gespielt werden“, sagte der Niederländer. „Das Schlimmste ist, dass man dadurch eine WM mit zwei Niederlagen nacheinander beenden könnte.“ Van Gaal hatte valide Argumente – und trotzdem wird das Spiel um Platz drei bei Fußball-Weltmeisterschaften weiterhin ausgetragen.



