Der neue Geschäftsführer von „visitBerlin“, Jürgen Amann, sieht sich bereits wenige Wochen nach seinem Amtsantritt mit schwerwiegenden Vorwürfen konfrontiert. Wie der „Tagesspiegel Checkpoint“ berichtet, werden derzeit seine Abrechnungen aus seiner vorherigen Tätigkeit als Geschäftsführer von Köln-Tourismus einer genauen Prüfung unterzogen. Dabei seien etliche Merkwürdigkeiten und Widersprüche aufgetaucht, die das Rechnungsprüfungsamt der Stadt Köln auf den Plan gerufen haben. Eine Entlastung durch den Aufsichtsrat liege für Amann bislang nicht vor, der Jahresabschluss sei noch offen.
Fragwürdige Zahlungen mit Firmenkreditkarte
Konkret stehen dem Bericht zufolge fragwürdige Zahlungen mit der Firmenkreditkarte der vergangenen zwei Jahre im Fokus. Darüber hinaus werden erklärungsbedürftige Fahrten, Einladungen und Eintrittskarten genannt. Dem Vernehmen nach handle es sich um eine zweistellige Zahl von Fällen. Amann sei schriftlich um Aufklärung gebeten worden. Gegenüber dem Checkpoint bestätigte er, eine entsprechende Mail erhalten zu haben: „Diese Mail werde ich selbstverständlich fristgerecht beantworten.“ Die Prüfung soll bis Ende Juli abgeschlossen sein.
Kritik an Führungsstil und Kommunikation
Amann ist seit Juni 2026 einer der beiden Geschäftsführer von „visitBerlin“ und trat die Nachfolge von Burkhard Kieker an. In Köln war sein Vertrag vorzeitig aufgelöst worden. In einem vertraulichen Positionsprofil der Beratungsagentur Kienbaum vom Mai 2025 sei offen auf Konflikte hingewiesen worden, heißt es in dem Bericht: Es sei „zu Spannungen im Führungsverständnis und im Umgang mit Stakeholdern“ gekommen. Im Kölner Rathaus sei damals von „Erleichterung“ die Rede gewesen, als Amann seinen vorzeitigen Wechsel nach Berlin ankündigte.
Auch in Dresden, wo Amann zuvor den Tourismus leitete, hätten Mitarbeiter, Partner und die Stadtregierung seinen Führungsstil und seine Kommunikation kritisiert. Schon nach einem Jahr verließ er die Stadt. Die Bürgermeisterin habe davon per SMS erfahren.
Versäumte Termine in Berlin
In Berlin häufen sich laut Checkpoint bereits nach wenigen Wochen kritische Stimmen. So sei Amann zum gemeinsamen Sommerempfang von Dehoga, dem Partnerhotels-Verein und „visitBerlin“ eine Dreiviertelstunde zu spät gekommen. Zum Vorempfang beim Hoffest des Regierenden Bürgermeisters soll er mit einer halben Stunde Verspätung angekommen sein. Beim wichtigsten Halbjahres-Netzwerktreffen der Berliner Wirtschaft, dem Sommerfest der IHK – die als Gesellschafterin von „visitBerlin“ fungiert – sei er gar nicht erschienen. Auch das interne „visitBerlin“-Sommerfest für die eigenen Mitarbeiter Ende Juni habe er versäumt.



