Dressur-Drama vor Heim-WM: Setzt Deutschland auf Außenseiter?
Dressur-Drama vor Heim-WM: Außenseiter-Chance?

Die deutsche Dressur-Equipe steht vor einer ungewissen WM-Nominierung: Nach dem tragischen Tod von Jessica von Bredow-Werndls Top-Pferd Diallo und mehreren krankheitsbedingten Ausfällen könnten zwei WM-Debütanten das deutsche Team bei der Heim-WM in Aachen verstärken. Die Entscheidung fällt in dieser Woche beim Nationenpreis-Turnier in Hagen am Teutoburger Wald.

Schicksalsschlag erschüttert Dressur-Szene

Im Januar erlitt die viermalige Dressur-Olympiasiegerin Jessica von Bredow-Werndl einen schweren Verlust: Ihr Pferd Diallo, das als sicherer Kandidat für die WM galt, starb überraschend. Zunächst wurde ein Borna-Virus vermutet, doch die Reiterin klärte auf: „Ursache war eine Hirnblutung, ausgelöst durch ein gerissenes Blutgefäß“, schrieb sie auf Instagram. Diallo sollte sportlich die Nachfolge der Stute Dalera antreten, mit der von Bredow-Werndl unter anderem vier olympische Goldmedaillen gewann.

Das Pech blieb der Reiterin treu: Bei der ersten Sichtung in Balve konnte ihr verbliebenes Pferd Kismet nur eine Prüfung absolvieren. Aufgrund einer Fiebererkrankung von Quick Decision, dem Pferd ihres Bruders Benjamin Werndl, musste die im gleichen Stall stehende Kismet in Quarantäne und durfte bei der deutschen Meisterschaft nicht starten. Nun verzichtete von Bredow-Werndl freiwillig auf die zweite Sichtung in Hagen. „Gemeinsam mit den Besitzern von Kiss haben wir uns bewusst dafür entschieden, ihr die Zeit zu geben, die sie braucht“, erklärte sie. „Es ist ihre erste Grand-Prix-Saison, und sie bringt ein außergewöhnliches Talent mit. Genau deshalb ist es uns wichtig, sie mit Geduld und Weitblick aufzubauen.“

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Weitere prominente Ausfälle

Nicht nur von Bredow-Werndl fehlt: Auch Ingrid Klimke, die im vergangenen Jahr noch zum deutschen Gold-Team bei der EM in Frankreich gehörte, sagte ihren Start ab. Ihr Pferd Vayron ist nicht fit. Charlott-Maria Schürmann musste kurzfristig absagen, weil ihr Dante's Pearl nicht fit genug ist. Diese Ausfälle öffnen die Tür für Außenseiter.

Als gesetzt für die WM gelten Isabell Werth, die erfolgreichste Reiterin der Welt, und Team-Olympiasieger Frederic Wandres. Die verbleibenden zwei Plätze sind hart umkämpft. Im Fokus stehen Semmieke Rothenberger mit Farrington und der kurzfristig nachnominierte Raphael Netz mit Great Escape Camelot. Beide kommen aus der erfolgreichen Jugend der Deutschen Reiterlichen Vereinigung und haben reihenweise Goldmedaillen bei Nachwuchs-Europameisterschaften gesammelt. „Sie sind durchgestartet“, lobte Bundestrainerin Monica Theodorescu die Entwicklung der nachrückenden Paare. „Beide können mit Druck umgehen“, betonte sie mit Blick auf die erwarteten 40.000 Zuschauer in Aachen.

Chance für Hemmer

Auch Katharina Hemmer darf noch hoffen. Sie gehörte im Vorjahr zum siegreichen EM-Team, konnte bei der DM in Balve jedoch nicht mit Denoix starten, weil ihr Pferd ein dickes Bein hatte. „Das war sehr schade, da die beiden top im Training waren“, sagte Theodorescu. Hemmer und Denoix starten nun in Hagen in den parallelen Prüfungen des Rahmenprogramms und kämpfen um einen Platz im WM-Team.

Die endgültige Nominierung wird nach dem Nationenpreis-Turnier bekannt gegeben. Die Dressur-WM in Aachen findet im August statt und verspricht Spannung pur – sowohl sportlich als auch emotional.

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