Die Opel Handball-Bundesliga steht vor einem möglichen Skandal: Die HSG Krefeld Niederrhein erhebt schwere Vorwürfe gegen die HSG Nordhorn-Lingen. André Schicks, Geschäftsführer der Krefelder, kündigte am Dienstag gegenüber SPORT BILD eine Stellungnahme auf der Vereinshomepage an. Darin heißt es: „Im Sinne des Handballsports und aller beteiligten Vereine hoffen wir ausdrücklich, dass sich die im Raum stehenden Vorwürfe einer möglichen Täuschung im Lizenzierungsverfahren nicht bestätigen.“
Finanzielle Schieflage bei Nordhorn-Lingen
Bereits Ende vergangener Woche hatte die HSG Nordhorn-Lingen, deutscher Vizemeister von 2002 und EHF-Pokalsieger 2008, mit einer offiziellen Mitteilung für Aufsehen gesorgt: „Die HSG Nordhorn-Lingen bestätigt, dass sich der Club weiterhin in einer wirtschaftlich herausfordernden Situation befindet.“ Das Wort „weiterhin“ deutet darauf hin, dass die Probleme nicht neu sind, sondern bereits länger bestehen. Im Unternehmensregister wies der Verein zum 30. Juni 2024 einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag von 155.983,11 Euro aus. Ein Jahr später war dieser Betrag auf 778.972,51 Euro angewachsen. In der Handball-Szene kursiert das Gerücht, dass sich das Finanzloch zum 30. Juni 2026 sogar auf einen siebenstelligen Euro-Betrag ausgeweitet haben könnte.
Fragen zum Lizenzantrag
Die entscheidende Frage lautet: Mit welchen Zahlen hat die HSG Nordhorn-Lingen in ihrem Lizenzantrag für die Saison 2026/27 gearbeitet? Die HBL-Lizenzierungskommission unter Vorsitz von Rolf Nottmeier hatte den Antrag positiv und ohne Auflagen genehmigt. Genau diese Entscheidung stellt die HSG Krefeld nun infrage. Die Krefelder waren in der vergangenen Saison sportlich als Tabellen-17. abgestiegen. In ihrem Statement drohen sie mit Konsequenzen: „Sollte sich jedoch im Rahmen der nun anstehenden Aufarbeitung herausstellen, dass die Lizenz der HSG Nordhorn-Lingen auf Grundlage unzutreffender oder unvollständiger wirtschaftlicher Angaben erteilt worden ist, hätte dies aus unserer Sicht erhebliche Auswirkungen auf die sportliche Wertung der vergangenen Saison.“
Mögliche Folgen für die Liga
Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, könnte Nordhorn-Lingen die Lizenz entzogen werden, und Krefeld würde als Absteiger wieder in die Bundesliga aufrücken. Die HBL muss nun in den kommenden Tagen klären, ob die Lizenzierung rechtmäßig war. Die Krefelder haben den renommierten Handball-Anwalt Helge-Olaf Käding aus Minden engagiert. Käding hatte bereits im Frühsommer 2024 dafür gesorgt, dass der HSV Hamburg in letzter Instanz doch noch die Spielerlaubnis für die Saison 2024/25 erhielt. Ein Insider aus der Handball-Szene sagte zu SPORT BILD: „Das könnte knifflig werden.“
Ein Präzedenzfall für die HBL
Der Fall Nordhorn könnte sich zu einem handfesten Aufreger entwickeln. Denn erstmals tritt ein mögliches Insolvenz-Szenario nach einer positiven Lizenzvergabe in einem neuen Geschäftsjahr und noch vor der nächsten Saison auf – genau das, was die HBL stets befürchtet hat. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Vorwürfe der Täuschung berechtigt sind und welche Konsequenzen dies für die Liga haben wird.



