Dick Advocaat: Vom strengen General zum gelassenen WM-Coach
Dick Advocaat: Vom strengen General zum gelassenen Coach

Dick Advocaat hat in seiner langen Trainerkarriere nahezu alles erlebt. Dreimal coachte er die niederländische Nationalmannschaft, war in Russland, Südkorea, England und auch in der Bundesliga tätig. Doch das Abenteuer, das der 78-Jährige nun mit Curaçao erlebt, ist selbst für ihn eine Premiere.

Ein historischer Erfolg für die Karibikinsel

Advocaat führte das Team der kleinen Karibikinsel sensationell zur Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko. Seitdem herrscht auf Curaçao, das nur rund 150.000 Einwohner zählt, eine nie dagewesene Euphorie. Das Land ist der kleinste WM-Teilnehmer aller Zeiten, und wohl noch nie gab es einen größeren Außenseiter als „The Blue Wave“ – benannt nach den blauen Trikots.

Wandel des „kleinen Generals“

Früher als strenger und disziplinbesessener „kleiner General“ bekannt, zeigt sich Advocaat auf Curaçao von einer ganz anderen Seite. Nach dem letzten Freundschaftsspiel gegen Aruba stand er mit seinen Spielern auf einer Bühne, ließ sich von den Fans feiern, lächelte, wippte zur Musik und winkte ins Publikum. „Es ist fantastisch, das alles mitzumachen“, sagte der Niederländer, der zum dritten Mal als Trainer an einer WM teilnimmt – 1994 mit den Niederlanden in den USA und 2006 mit Südkorea in Deutschland.

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Vorfreude auf das Duell mit Deutschland

Zum WM-Auftakt am Sonntag (19.00 Uhr MESZ) in Houston trifft Curaçao auf die deutsche Nationalmannschaft. „Dass es gleich zu Beginn gegen Deutschland geht, ist fantastisch“, so Advocaat im dpa-Interview. „Da wissen wir gleich, wo wir stehen. Du musst ohnehin gegen sie spielen, da kannst du besser gleich am Anfang gegen sie spielen.“

Advocaat ist sich bewusst, dass sein Team gegen Deutschland, Ecuador und die Elfenbeinküste klarer Außenseiter ist. Doch die Inselkicker reisen nicht ohne Ambitionen an. „Wir wollen es jedem Gegner so schwer wie möglich machen. Und wir sind sicherlich nicht chancenlos“, betonte der erfahrene Coach. „Natürlich gibt es große Unterschiede in der Qualität, aber wir wollen uns so teuer wie möglich verkaufen. Jeder kann überraschen. Warum nicht Curaçao?“

Freiheiten statt Strenge

Damit der Außenseiter konkurrenzfähig ist, setzt Advocaat auf eine lockere Führung. Statt mit kurzer Leine regiert er mit langer Leine und gewährt seinen Spielern viele Freiheiten. Fast immer läuft Musik, das Training wurde schon an den Strand verlegt. In den Niederlanden wundert man sich über den gelassenen Advocaat, der beim Oranje-Team stets grimmig wirkte.

Nur beim Thema seines Rücktritts aus familiären Gründen und der Rückkehr, die Fred Rutten verdrängte, wird Advocaat kurz ernst. „Ich kann die Kritik nicht verstehen. Der Verband hat mich gefragt, ob ich zurückkommen will, nicht umgekehrt“, erklärte er. „Wie es mit Fred Rutten genau lief, kann ich nicht sagen. Aber wenn die Entscheidung gefallen ist und sie mich fragen, ob ich wieder übernehmen will – warum sollte ich nein sagen?“

Verehrung auf Curaçao

Der Trainerwechsel ist auf Curaçao kein Thema mehr, die Vorfreude auf das Turnier und das Duell mit Deutschland überwiegt. Advocaat, der vor über 20 Jahren kurz Borussia Mönchengladbach trainierte, schätzt die DFB-Elf sehr: „Deutschland ist klarer Favorit in der Gruppe. Sie sind noch immer ein großes Fußballland.“

Ein Unentschieden gegen einen der Top-Gegner würde auf der Insel wie ein WM-Titel gefeiert werden. Kapitän Leandro Bacuna gibt sich selbstbewusst: „Dick hat uns gesagt, dass unser Ziel die WM-Teilnahme ist. Das haben wir geschafft. Nun ist das Weiterkommen das nächste Ziel.“

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