Infantino vor dem Aus? Das sind die fünf Nachfolge-Kandidaten
Infantino vor dem Aus? Fünf Kandidaten für die Nachfolge

Der Plan von Gianni Infantino, Anteile an der Fußball-Weltmeisterschaft zu verkaufen, ist gescheitert. Der Fifa-Präsident lenkte ein und zog das Vorhaben zurück, nachdem sich ein Großteil der Verbände gegen ihn gestellt hatte. Die Lage ist ernst: Infantinos Rückhalt schwindet – und selbst in der Fifa rechnen viele damit, dass sein Abschied nur noch eine Frage der Zeit ist.

„Nachdem wir uns alle Standpunkte aufmerksam angehört haben, ist deutlich geworden, dass das Projekt zu Spaltungen geführt hat, die – unabhängig vom Ausmaß der Unterstützung – nicht mehr im Interesse des ursprünglich angestrebten Ziels liegen“, teilte Infantino am Samstag mit. Die „New York Times“ schreibt in diesem Zusammenhang von einem Ikarus-Moment. Der Schweizer habe sich allmächtig gefühlt und nun die Flügel verbrannt.

Der Druck auf Infantino nimmt zu

Ob sich Infantino beim Fifa-Kongress im März 2027 erneut zur Wahl stellen kann, ist fraglich. Der 56-Jährige hat massiv an Rückhalt verloren. Mehreren Berichten zufolge wird eine weitere Amtszeit Infantinos in den Sitzungen des europäischen Fußballverbands Uefa sowie des amerikanischen Verbands Concacaf offen infrage gestellt. Laut „The Athletic“ sind selbst in der Fifa-Innenstadt viele Mitarbeiter überzeugt, dass die Absetzung nicht eine Frage des Ob, sondern des Wann ist.

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„Für die Uefa gibt es kein Zurück mehr. Wenn sie jetzt einknickt, verliert sie jede Glaubwürdigkeit“, sagte der frühere Fifa-Reformer Mark Pieth im Interview mit dem Tagesspiegel. Er erwarte, dass man einen Kompromiss finde, um das Projekt zu begraben – sprich: einen alternativen Präsidenten suche. „Infantino ist nicht mehr tragbar. Er ist nur an seinen eigenen finanziellen Interessen interessiert.“

Diese fünf Kandidaten könnten nachfolgen

Wer kommt als Nachfolger infrage? Die Namen, die in Fußballkreisen am häufigsten genannt werden, sind einflussreiche Funktionäre aus aller Welt. Eine Auswahl.

Victor Montagliani: Der Favorit aus Nordamerika

Der Präsident des Kontinentalverbandes Concacaf, der für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik zuständig ist, hat das vielversprechendste Profil. Er genießt innerhalb der Verbände weltweit hohes Ansehen, spricht als Kanadier vier Sprachen fließend und gilt als Menschenfänger mit Bodenhaftung. Für ihn spricht zudem, dass er bislang glaubhaft den Eindruck vermittelt hat, die Seele des Fußballs nicht verkaufen zu wollen. Immer wieder kritisierte er Infantinos Expansionspläne – auch von einer Weltmeisterschaft mit 64 Mannschaften war er nie wirklich überzeugt. Montagliani ist sehr gut vernetzt und hat offenbar Lust auf den Job.

Aleksander Čeferin: Der starke Mann der Uefa

Der Slowene führt die Opposition gegen Infantino an. Er regiert die Uefa bislang skandalfrei – und das nicht nur das: Unter seiner Führung schreibt die Uefa Rekordzahlen. Ähnlich wie Infantino treibt Čeferin die Vermarktung des Fußballs erbarmungslos voran, doch er stellt sich dabei viel geschickter an. Sein Problem: Er fühlt sich als Uefa-Präsident wohl und möchte dort möglichst bis 2031 bleiben.

Scheich Salman bin Ebrahim Al Khalifa: Der mächtige Asiate

Der Bahrainer hat ein ähnliches Profil wie Čeferin. Als Präsident der asiatischen Konföderation AFC hat er sich bewährt und das Wirtschaftswachstum seines Verbands in den vergangenen Jahren durch die Einführung vieler neuer Wettbewerbe stark gesteigert. Er ist sehr mächtig, seine 46 Mitgliedsverbände stehen loyal hinter ihm. Auch er hat sich von Infantino distanziert – keine guten Nachrichten für den Schweizer.

Nasser Al-Khelaifi: Der Mann mit vielen Ämtern

Sein Name taucht immer wieder auf. Al-Khelaifi ist wahrscheinlich der mächtigste Mann im europäischen Fußball: Präsident von Paris Saint-Germain, Vorsitzender der European Club Association, Mitglied im Uefa-Exekutivkomitee, stellvertretender Vorsitzender von UC3 – dem gemeinsamen Unternehmen von ECA und Uefa, das die kommerziellen Rechte der Champions League vermarktet – und Vorsitzender der Sportsparte von Katars Staatsfonds. Die Ämterfülle und das Geld machen ihn zum natürlichen Kandidaten. Doch aus seinem Umfeld heißt es, er wolle den Fifa-Job gar nicht machen. Es bräuchte einiges an Überredungskünsten.

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Dariusz Mioduski: Der Außenseiter

Ein Außenseiterkandidat, der insbesondere bei Verbandsfunktionären aus Bosnien und Herzegowina, Norwegen, Schweden, Deutschland und Spanien hohes Ansehen genießt. Der 62-Jährige hat in Harvard promoviert und ist Präsident und Eigentümer des polnischen Erstligaklubs Legia Warschau. Im europäischen Fußball ist er als Vorstandsmitglied und Vizepräsident der ECA sowie bei den European Football Clubs sehr gut vernetzt. Sein Problem: Ausgerechnet der polnische Verband unterstützt ihn nicht – er würde lieber Al-Khelaifi als Fifa-Präsidenten sehen.

Sollte Infantino tatsächlich stürzen, steht also eine Reihe namhafter Kandidaten bereit. Ob er sich im März 2027 überhaupt zur Wahl stellt, bleibt offen – die Zeichen stehen jedenfalls auf Sturm.