Wattenscheid – Owen Ansah, der schnellste Deutsche aller Zeiten, hat bei den Deutschen Meisterschaften in Wattenscheid einen Doppelsieg gefeiert – und das trotz eines schwebenden Verfahrens wegen einer verweigerten Dopingkontrolle. Der 25-jährige Sprinter gewann am Samstag die 100 Meter in 10,00 Sekunden und am Sonntag die 200 Meter in persönlicher Bestzeit von 20,13 Sekunden. Damit unterstrich er seine Ambitionen für die Europameisterschaften in Birmingham (10. bis 16. August).
Hintergrund des Dopingverfahrens
Vor gut einer Woche leitete die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) ein Verfahren gegen Ansah ein. Der Grund: Ansah verweigerte eine Dopingkontrolle. Der Athlet war nach eigenen Angaben auf dem Weg zum Flughafen, als der Kontrolleur eine Probe außerhalb des Wettkampfs nehmen wollte. Die möglichen Konsequenzen einer verweigerten Probe – eine Sperre von bis zu vier Jahren – seien ihm angeblich nicht bewusst gewesen. Da jedoch keine positive Dopingprobe vorliegt, darf Ansah weiterhin an Wettkämpfen teilnehmen.
Überragende Leistungen auf der Bahn
Ansah zeigte sich von den Turbulenzen unbeeindruckt. Über 100 Meter deklassierte er die Konkurrenz mit 10,00 Sekunden – der drittschnellsten Zeit seiner Karriere. „Ich freue mich immer, auf die Bahn zu gehen und zu rennen. Jedes Mal, wenn ich dort stehe, sind meine Gedanken völlig frei. Ich denke an nichts und heute habe ich es auch wieder bewiesen“, sagte Ansah nach dem Rennen. Am Sonntag legte er auf der 200-Meter-Distanz nach: Mit 20,13 Sekunden verbesserte er nicht nur seine persönliche Bestleistung, sondern erzielte auch die zweitschnellste Zeit, die jemals ein Deutscher gelaufen ist.
Unterstützung durch Team und Anwälte
Ansah betonte die Bedeutung seines Umfelds: „Mein Trainer, mein Management und meine Anwälte stehen alle hinter mir, und das ermöglicht mir, solche Leistungen auf die Bahn zu bringen. Dann schaffst du, den Kopf leer zu bekommen und dann geht es nur um den Lauf in diesem Moment.“ Diese mentale Stärke zeigt sich in seinen konstant starken Zeiten. Der Nationalrekord über 100 Meter von 9,98 Sekunden, aufgestellt im Juni, macht ihn zum Favoriten für die EM.
Ausblick auf die Europameisterschaft
Die Europameisterschaften in Birmingham rücken in den Fokus. Ansah hat mit seinen Leistungen in Wattenscheid ein klares Zeichen gesetzt. Sollte das Verfahren der Nada bis dahin nicht zu einer Sperre führen, wird er als Top-Kandidat auf die Goldmedaille in beiden Sprintdisziplinen gelten. Die Konkurrenz ist gewarnt: Ansah läuft nicht nur schnell, sondern auch mit eisernen Nerven.



