Owen Ansah, der einzige deutsche Sprinter, der die 100 Meter unter zehn Sekunden gelaufen ist, droht eine Dopingsperre von bis zu vier Jahren. Grund ist nicht ein positiver Test, sondern die Verweigerung einer unangemeldeten Kontrolle. Der 25-Jährige könnte die Situation falsch eingeschätzt haben.
Was geschah bei der verweigerten Kontrolle?
Ansah erklärte in einer Pressemitteilung des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), dass er kurzfristig als Nachrücker für die Diamond League in Monaco nominiert wurde. Am Donnerstag gegen 14:30 Uhr wollte er zum Flughafen aufbrechen, als ein Kontrolleur außerhalb seines Zeitfensters erschien und eine Dopingprobe verlangte. „Ich war schon sehr spät dran und konnte so kurzfristig die Probe nicht abgeben, zumal ich kurz zuvor die Toilette besucht hatte“, so Ansah.
Rechtliche Konsequenzen einer verweigerten Probe
Eine verweigerte Dopingkontrolle kann ähnliche Sanktionen wie ein positiver Test nach sich ziehen. Laut Informationen der Bild-Zeitung wurde Ansah von der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) schriftlich über die möglichen Konsequenzen informiert. Dennoch scheint er den Ernst der Lage nicht erkannt zu haben. In seinem Statement heißt es: „Es wurde nicht angeboten, dass der Kontrolleur mit zum Flughafen fährt, damit ich dort die Probe abgeben kann. Zudem wurden keinerlei Konsequenzen aufgezeigt. Der Kontrolleur wünschte mir noch viel Glück in Monaco.“
Aktuelle Situation und sportliche Perspektive
Ansah reiste trotzdem zum Diamond-League-Meeting nach Monaco und lief dort am 10. Juli die 100 Meter in 10,01 Sekunden, was Platz vier bedeutete. Seine Bestzeit von 9,98 Sekunden stellte er im Juni auf, Anfang Juli waren es sogar 9,93 Sekunden – allerdings mit zu starkem Rückenwind. Bei der Leichtathletik-EM in Birmingham (10. bis 16. August) strebt er eine Medaille an. Vorerst ist Ansah nicht gesperrt und darf weiter starten.
Mögliche mildernde Umstände
Der Sprinter hat nun die Gelegenheit, den Sachverhalt aus seiner Sicht bei der Nada zu schildern. Sollte das Verfahren fortgeführt werden, könnte ihm zugutekommen, dass er sowohl am Wettkampftag in Monte Carlo als auch am Montag nach dem Wettkampf getestet wurde. Somit liegen in unmittelbarer zeitlicher Nähe zur verweigerten Kontrolle Testergebnisse vor, die seine Unschuld belegen könnten.



