Die polarisierende Luxus-Queen der Olympischen Winterspiele
Eisschnellläuferin Jutta Leerdam zählt zu den größten Stars bei den Olympischen Winterspielen in Mailand. Die 27-jährige Niederländerin polarisiert jedoch massiv mit ihrem außergewöhnlichen Verhalten abseits der Eisbahn. Während sie sportlich als Top-Medaillekanidatin gilt, sorgen ihre luxuriöse Anreise und der Umgang mit Medien für kontroverse Diskussionen.
Anreise im Privatjet: Luxus oder Diva-Verhalten?
Bereits die Ankunft in Mailand gestaltete Leerdam als spektakuläres Event. Statt wie die meisten Athleten mit Linienflügen anzureisen, landete die Sportlerin in einem vollständig individualisierten Privatjet. Die Wände zierten orangefarbene Fähnchen mit der Aufschrift „Success Jutta“, auf Cupcakes prangten Olympische Ringe und die niederländische Flagge. Diese extravagante Reise dokumentierte die Athletin ausführlich auf Instagram und generierte damit tausende Likes – aber auch massive Kritik.
Der ehemalige Fußballer und heutige Journalist Johan Derksen kommentierte scharf: „Ich finde ihr Verhalten entsetzlich, wie das einer Diva. Sie ist nicht anders als die anderen Eisschnellläuferinnen, die Linienflüge nehmen. Als Trainer hätte ich das nicht toleriert.“ Ganz anders sieht das die frühere deutsche Eisschnellläuferin Anni Friesinger-Postma: „Ihr Verlobter Jake Paul verwöhnt seine Verlobte eben gern – und dem Sport schadet ein wenig Boulevard ganz sicher nicht. Im Gegenteil: Das zeigt eine andere Seite und sorgt für Schlagzeilen.“
Medienboykott führt zu offiziellem Protest
Nicht nur die luxuriöse Anreise sorgte für Unmut. Zwei Tage vor ihrem ersten Wettkampf lehnte Leerdam mehrere Interviewanfragen niederländischer Journalisten ab. Daraufhin legte der niederländische Journalistenverband (NSP) offiziellen Protest beim Olympiateam ein. Der Generalsekretär des NSP polterte in einem Statement: „Das ist unangemessen, inakzeptabel, eines Teams unwürdig und zeugt von wenig Respekt vor den niederländischen Medien und insbesondere der niederländischen Öffentlichkeit.“
Das niederländische Team teilte daraufhin mit, Leerdam werde nach ihrem Training am Samstagnachmittag mit der Presse sprechen. Doch die Zusage enthielt einen Haken: Die Sportlerin wollte ausschließlich mit dem öffentlich-rechtlichen Fernsehsender NOS sprechen. Die übrigen rund 20 niederländischen Medienvertreter mussten eine Stunde warten, bevor ihnen mitgeteilt wurde, dass Leerdam nicht zur Verfügung stehe.
Olympiasiegerinnen kritisieren Vorbildfunktion
Kein Verständnis für dieses Vorgehen zeigten die früheren Olympiasiegerinnen Ireen Wüst und Irene Schouten. Wüst merkte an: „Man könnte sagen, Jutta ist so groß, dass sie es mit ihren fünf Millionen Followern auf Instagram nicht nötig hat. Aber sie hat eben auch eine Vorbildrolle. Wenn die großen Stars wie Leerdam keine Interviews mehr geben, werden andere nachziehen.“ Schouten ergänzte: „Dann gibt es keine Geschichten mehr – und für die Medien ist es dann irgendwann vorbei.“
Sportliche Qualitäten außer Frage
Trotz aller Kontroversen steht Leerdams sportliche Klasse außer Frage. Bei den Olympischen Spielen 2022 in Peking holte sie über ihre Paradestrecke über 1.000 Meter Silber. Seitdem errang die 27-Jährige elf Weltcupsiege über jene Distanz, drei davon in der aktuell laufenden Saison. Insgesamt kann Leerdam auf sieben WM-Titel sowie mehrere Silber- und Bronzemedaillen zurückblicken. Interessanterweise stand ihre Olympia-Qualifikation zunächst auf der Kippe: Bei der nationalen Qualifikation stürzte sie auf ihrer Paradestrecke über 1.000 Meter, qualifizierte sich dann aber über die 500-Meter-Distanz.
Social-Media-Star mit Millionen-Following
Abseits des Sports hat sich Leerdam zu einem echten Medienstar entwickelt. Die 1,81 Meter große Modellathletin sammelte mehr als fünf Millionen Instagram-Follower und über zwei Millionen Anhänger bei TikTok. Zum Vergleich: Ski-Superstar Lindsey Vonn bringt es bei Instagram auf drei Millionen Follower. Eine nicht unerhebliche Rolle spielt dabei ihr Verlobter Jake Paul, der US-amerikanische Influencer, Unternehmer und Boxer. Die dreimalige Olympiasiegerin Marianne Timmer erwartet in Mailand „eine einzige große Jutta-und-Jake-Show“.
Das niederländische Olympia-Team reagierte auf die besondere Situation und kreierte eigens einen speziellen Pin für Leerdams Kleidung. Darauf zu sehen: Thor, der Hund des Boxers. „Jake wird das nicht glauben“, zeigte sich Leerdam in einem TikTok-Video begeistert. Trotz allem Luxus und Sonderbehandlungen muss sich die Niederländerin am Ende aber genauso im sportlichen Duell messen. Bereits am Montag geht es für Leerdam über 1.000 Meter um olympisches Gold – und um die Frage, ob ihre außersportlichen Aktivitäten ihre Leistung beeinflussen werden.



