Olympische Winterspiele in Mailand: Kaum olympische Stimmung in der italienischen Modemetropole
Bei Olympischen Spielen herrscht traditionell ein besonderes Flair und eine einzigartige Atmosphäre. In der italienischen Modestadt Mailand, die als Co-Gastgeber der Winterspiele 2026 fungiert, ist davon jedoch erstaunlich wenig zu spüren. Ein aktueller Stimmungsbericht vor Ort zeigt, dass das sportliche Großereignis im Alltag der namensführenden Stadt kaum Raum einnimmt.
Mailänder Alltag dominiert das Stadtbild
Dicht gedrängt schlendern die Menschen bei sonnigen 15 Grad über die Piazza del Duomo vor dem weltberühmten Mailänder Dom. Während Touristen vor dem pompösen Gebäude posieren, genießen die elegant gekleideten Mailänder in Straßencafés ihren Espresso. Von olympischer Stimmung und internationaler Atmosphäre ist in der Modemetropole wenig zu spüren. Zugegeben: Strahlender Sonnenschein und milde Temperaturen sind nicht gerade das Sinnbild von Winterspielen. Und Mailand ist mit seinen vier Eishallen und vier Sportarten – Eiskunstlauf, Shorttrack, Eisschnelllauf und Eishockey – auch nur die Heimat der Eissportwettbewerbe bei den auf viele verschiedene Orte verteilten Winterspielen.
Dezente olympische Präsenz im Stadtzentrum
Trotzdem ist bemerkenswert, dass das sportliche Großereignis ausgerechnet im Alltag der Co-Gastgeberstadt kaum wahrnehmbar ist. Zwischen Designertaschen und „La Dolce Vita“ scheinen der olympische Gedanke und die internationale Zusammenkunft verschiedenster Nationen in der Modemetropole kaum präsent. Olympische Stimmung? Fehlanzeige. Ausgelassenheit und Internationalität? Fehlanzeige.
Bis auf ein großes blaues Zelt vor dem Dom mit einer endlos langen Schlange deutet im Zentrum Mailands wenig darauf hin, dass diese Stadt derzeit Olympische Winterspiele ausrichtet. Um in den sogenannten Megastore im blauen Zelt zu gelangen, in dem auf 1200 Quadratmetern die offiziellen Sammlerstücke und Kleidung der Spiele verkauft werden, sind allerdings zudem viel Geduld und Stehvermögen gefragt. Hier wird Olympia sichtbar – allerdings vor allem als Merchandising-Erlebnis.
Begrenzte olympische Symbole und Attraktionen
Auch in der prunkvollen Galleria Vittorio Emanuele, direkt neben dem Wahrzeichen der Stadt, bleibt der Hinweis auf die Spiele dezent. Lediglich ein kleines Fensterbild mit den Olympischen Ringen unter der imposanten Glaskuppel erinnert daran, dass Mailand Co-Gastgeber ist. In den umliegenden Straßen hängen vereinzelte Olympiaplakate, welche im geschäftigen Treiben jedoch beinahe untergehen.
Erst in der sogenannten Fanzone angekommen, ist zum ersten Mal etwas mehr olympisches Flair zu spüren. Dafür sorgen vor allem die vielen verschiedenen Eishockey-Trikots aus aller Welt. Wer allerdings bereits bei einer Eishockey-Weltmeisterschaft als Zuschauer dabei war, stellt wiederum kaum einen Unterschied zu den Olympischen Spielen fest. Das Gefühl eines außergewöhnlichen, alles überlagernden Sportereignisses bleibt auch hier aus.
Funktionales olympisches Feuer am Friedensbogen
Zu guter Letzt bleibt noch der letzte zentrale olympische Ort in Mailand, der Arco della Pace. Seit der Eröffnungsfeier brennt am Friedensbogen das olympische Feuer. In einer kleinen Glaskuppel, umgeben von einem Gewirr aus Metallstangen, zieht diese Attraktion zwar viele Besucher an. Aufgrund der Größe und der Tatsache, dass die Flammen nur von zwei Seiten sichtbar sind, wirkt dieser Schauplatz jedoch mehr funktional als monumental.
Olympia als Randereignis im Mailänder Alltag
Eine spürbare Identifikation mit den Spielen ist kaum wahrnehmbar. Auch deshalb wirken die Spiele wie ein Randereignis inmitten des alltäglichen Mailänder Stadttrubels. Festzuhalten bleibt: Sowohl das berühmt-berüchtigte olympische Flair als auch den olympischen Geist sucht man in den Straßen Mailands vergeblich. So bleibt der Eindruck einer Stadt, die ihrem eigenen Rhythmus treu bleibt. Und wer durch Mailand schlendert, kann kaum erahnen, dass hier gerade die Welt zu Gast ist.



