Ukraine-Sprecher attackiert IOC: Empörung über russische Schildträgerin bei Olympia
Ein ungewöhnlicher Vorfall bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand sorgt für diplomatische Verstimmungen zwischen der Ukraine und dem Internationalen Olympischen Komitee. Wie sich herausstellte, wurde das ukrainische Länderschild während der Nationalparade von einer russischen Staatsbürgerin getragen – eine Tatsache, die in Kiew zu heftigen Reaktionen führte.
Die unerkannte Schildträgerin
Die russische Architektin Anastasija Kutscherowa, die seit mehreren Jahren in Italien lebt, trug bei der feierlichen Eröffnungszeremonie im Mailänder San-Siro-Stadion das Schild mit der Aufschrift „Ukraine“ ins Stadion. In einem langen silbernen Mantel mit Kapuze und einer großen schwarzen Brille war die Frau kaum zu erkennen und blieb wie alle anderen Plakatträger zunächst anonym. Direkt hinter ihr marschierte die offizielle ukrainische Fahnenträgerin Jelysaweta Sydorko zusammen mit ihren Teamkollegen.
Erst nach der Veranstaltung wurde bekannt, dass es sich bei der Schildträgerin um eine russische Staatsangehörige handelte. Kutscherowa gab später an, sich freiwillig für diese Aufgabe gemeldet und sich bewusst für das ukrainische Schild entschieden zu haben.
Scharfe Kritik aus Kiew
Die Enthüllung löste in der ukrainischen Hauptstadt Empörung aus. Ein Sprecher des ukrainischen Außenministeriums, Heorhij Tychyj, äußerte sich auf der Plattform X äußerst kritisch zum Internationalen Olympischen Komitee. In seinem Beitrag schrieb der 36-Jährige, es scheine so, als seien die IOC-Verantwortlichen „nicht nur Trottel, sondern auch regelrechte Sadisten.“
Die staatliche ukrainische Spendeninitiative teilte mit, die ukrainische Mannschaft sei nicht über die Entscheidung informiert worden, „sie bei einem so wichtigen Ereignis von einer Staatsangehörigen des Landes, das Krieg gegen die Ukraine führt, anführen zu lassen.“
Reaktionen des IOC und der Organisatoren
Das Internationale Olympische Komitee und die italienischen Organisatoren zeigten sich überrascht von der Entwicklung. Luca Casassa, Sprecher des italienischen Organisationskomitees, erklärte, man habe erst durch aktuelle Berichterstattungen von der russischen Herkunft der Schildträgerin erfahren. „Es gab rund 1.200 Freiwillige, die die Eröffnungsfeier einzigartig machen sollten. Wir können nicht jeden Einzelnen überprüfen“, so Casassa.
IOC-Sprecher Mark Adams äußerte sich zurückhaltend zu dem Vorfall: „Ich habe wenig dazu zu sagen. Aus meiner Sicht ist es kein Problem, wenn jemand ein Schild trägt.“
Die Position der russischen Schildträgerin
Anastasija Kutscherowa betonte in einem späteren Interview mit der Nachrichtenagentur AP ihre Sympathie für die Ukraine. „Wenn man Seite an Seite mit diesen Menschen geht, erkennt man, dass sie jedes Recht haben, Hass gegenüber jedem Russen zu fühlen“, sagte die Architektin. Ihr sei es wichtig gewesen zu zeigen, dass nicht alle Russen so denken würden wie diejenigen, die den Krieg gegen die Ukraine führen.
Der Vorfall wirft Fragen nach den Sicherheits- und Identifikationsmaßnahmen bei großen internationalen Sportveranstaltungen auf. Besonders sensibel ist die Situation angesichts des anhaltenden Krieges zwischen Russland und der Ukraine, der auch den Sportbereich seit Jahren überschattet.



