Skispringer Wellinger übt scharfe Kritik an mangelnder Aufarbeitung des Anzug-Skandals
Der deutsche Skispringer Andreas Wellinger hat in einem aktuellen Interview mit dem Spiegel deutliche Kritik an der unzureichenden Aufarbeitung des norwegischen Anzug-Skandals geäußert. Der Olympiasieger von 2014 und 2018 bemängelt, dass der Fall trotz Geldstrafen, Disqualifikationen und Sperren nicht ausreichend transparent aufgeklärt worden sei.
Wellinger fordert mehr Transparenz und Reue von den Verantwortlichen
„Ich finde nicht, dass der ganze Skandal ausreichend aufgearbeitet worden ist“, sagte Wellinger im Gespräch mit dem Spiegel. Er kritisiert insbesondere, dass bis heute viele Fragen offen bleiben: „Niemand weiß, wie viele Anzüge manipuliert worden sind. Niemand weiß, wie lange betrogen wurde.“
Wellinger hätte sich zudem eine deutlichere Entschuldigung von den norwegischen Athleten gewünscht. „Wenn man sich hinstellt und sagt: Wir haben davon nichts gewusst, wir haben es nicht mit Absicht gemacht, dann finde ich, wird das der Tragweite nicht gerecht“, so der deutsche Springer. Aus seiner Sicht hätten die Norweger klarer zu ihren Fehlern stehen müssen: „Ich finde, die Norweger hätten sagen können: Leute, das war falsch. Wir hatten eine Heim‑WM, wir wollten erfolgreich sein, wir sind über das Ziel hinausgeschossen, wir haben einen Fehler gemacht. Es tut uns leid, wir lernen daraus. Das hätte zumindest Reue gezeigt.“
Stempel als Betrüger bleibt haften
Wellinger sieht die norwegischen Springer durch den Skandal nachhaltig belastet. Auf die Frage, ob die Athleten nun einen Stempel als Betrüger tragen, antwortet er deutlich: „Definitiv. Jeder, der betrügt, hat einen Stempel. Das trifft auf gedopte Sportler genauso zu wie auf diejenigen, die ihr Material manipulieren.“
Der deutsche Olympia-Teilnehmer betont, dass gerade deshalb Einsicht und Transparenz so wichtig wären. Der Skandal wirkt für Wellinger auch im Vorfeld der Olympischen Spiele 2026 nach, wo die norwegischen Springer erneut zu den stärksten Konkurrenten gehören werden.
Internationale Kritik am Umgang mit dem Skandal
Wellinger ist nicht der einzige, der Unbehagen über den Umgang mit dem Anzug-Skandal äußert. Bereits zuvor hatte der österreichische Skispringer Stefan Kraft kritisiert, dass die Norweger definitiv „ein Stempel“ als Betrüger hätten. Diese Einschätzung teilt Wellinger voll und ganz.
Der Fall hatte im vergangenen Winter für einen der größten Skisprungskandale der Geschichte gesorgt, als bekannt wurde, dass norwegische Springer mit manipulierten Anzügen angetreten waren. Trotz der verhängten Sanktionen bleibt für viele Athleten das Gefühl, dass die Aufarbeitung oberflächlich blieb und wichtige Fragen unbeantwortet sind.



