Bjarne Riis: Depressionen, Millionenverlust und Doping
Bjarne Riis: Depressionen, Millionenverlust und Doping

Bjarne Riis (62) hat in einem Interview mit der französischen Sportzeitung „L’Equipe“ über seine schwierige Vergangenheit gesprochen. Der Däne, der 1996 die Tour de France gewann, blickt mit gemischten Gefühlen auf seinen größten Erfolg zurück. „Es war eine Mischung aus Stolz und Bedauern“, sagte Riis. „Da ist zum einen die Tour selbst, mein Sieg, das Gelbe Trikot, meine Leistung, der Triumph, die Champs-Élysées. So viele fantastische Momente. Und dann natürlich das, was danach geschah. Es hat mich ganz klar sehr beeinflusst, auf verschiedene Weise, und mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin, im Guten wie im Schlechten. Es waren sehr schwierige Zeiten, aber so ist es nun mal, ich kann es nicht ändern. Es gehört zu mir.“

Gemischte Gefühle 30 Jahre nach dem Toursieg

Riis gewann die 113. Tour de France vor 30 Jahren an der Seite von Jan Ullrich (52), der damals Zweiter wurde – ein historischer Doppelsieg für das Team Telekom. Doch die Jahre danach waren von schweren Schicksalsschlägen geprägt. Riis kämpfte mit Depressionen, finanziellen Problemen und den Folgen seiner Dopingbeichte. 1998 gestand er, zwischen 1993 und 1998 mit Epo gedopt zu haben, also auch während seines Toursiegs. „Ich habe meinen Frieden gefunden. Ich habe all diese Prüfungen durchgemacht. Aber die Menschen haben immer noch großen Respekt vor mir, und ich weiß das zu schätzen. Es ist wichtig, standhaft zu bleiben, auch wenn es schwerfällt“, erklärte Riis.

Kampf gegen Depressionen und finanzielle Not

Bereits vor 15 Jahren machte Riis seine Depressionen öffentlich. „Ich stand viele Jahre unter Druck, das war nicht einfach. Die Anschuldigungen, all das. Irgendwann reicht es einfach, und der Körper kann nicht mehr“, sagte er. Ein wesentlicher Auslöser für die psychischen Probleme war der finanzielle Zusammenbruch seiner Firma IT Factory, ein Sponsor des Teams Saxo Bank, das ihm gehörte. 2009 war das Unternehmen über seinen Chef in einen Finanzskandal verwickelt. „Ich verlor viel Geld, 20 Millionen Euro in vier Jahren, auch mein eigenes“, enthüllte Riis. Dieser Verlust trieb ihn weiter in die Depression. Um das Team zu retten, suchte er einen Käufer. „Ich kämpfte darum, das Team über Wasser zu halten. Das gelang mir, bis ich es im Dezember 2013 an Oleg Tinkov verkaufte, weil ich den Druck nicht mehr aushielt. All das zusammen war hart. Ich fiel in diese Depression. Es hat Jahre gedauert, aber ich habe es geschafft, da rauszukommen, und ich würde sagen, ich stehe heute auf der richtigen Seite.“

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Doping-Ära und Reue

In den 1990er Jahren wurde bei Telekom systematisch gedopt. Neben Riis gestanden auch Erik Zabel (56) und Rolf Aldag (57) den Einsatz von Epo. Ullrich hingegen zögerte lange, reinen Tisch zu machen. Riis äußerte sich zu den Umständen seines Sieges: „Natürlich bin ich stolz darauf, die Tour gewonnen zu haben. In dem Jahr war ich der Stärkste. Bereue ich die Umstände? Ja, das tue ich. Wir sollten sie alle bereuen, alle, die im Radsport aktiv sind. Aber ich kann sie nicht ändern, ich muss damit leben, und ich denke, der Rest der Welt auch. Leider war es eben so damals.“

Heute: Ein neues Leben in Dänemark

Nach vielen Jahren in der Schweiz lebt Riis heute mit seiner Frau, der Handball-Olympiasiegerin und ehemaligen Weltmeisterin Anne Tanderup (54), wieder in seiner dänischen Heimat, in Vejle. Er sitzt in mehreren dänischen Unternehmen im Aufsichtsrat. „Ich verfolge den Radsport, ich kommentiere auch Rennen, aber ich habe andere Interessen und möchte jetzt andere Dinge tun“, sagte er. Zur Tour de France wird er vorerst nur noch als Tourist kommen. Riis’ Geschichte ist ein Beispiel für die langen Schatten, die Erfolg und Doping werfen können, aber auch für die Möglichkeit, nach schwierigen Zeiten einen Neuanfang zu wagen.

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