Neue Regeln beim Mannschaftszeitfahren der Tour de France
Beim Auftakt der Tour de France am Samstag in Barcelona (17.05 Uhr) steht ein Mannschaftszeitfahren über 19,6 Kilometer an – mit einer wichtigen Neuerung. Anders als beim letzten Mannschaftszeitfahren 2019 in Brüssel wird die Zeit nicht mehr für eine Mindestanzahl von Fahrern eines Teams genommen, sondern für jeden Fahrer einzeln. Das eröffnet neue taktische Möglichkeiten, wie Remco Evenepoel erklärt: „Mit den neuen Regeln wird es etwas einfacher, die Aufgaben aufzuteilen, sodass man die schwereren Fahrer loswerden kann, sobald man die Anstiege in Angriff nimmt.“ Der Modus wurde bereits bei Paris-Nizza und der Mallorca Challenge getestet.
Chancen von Red Bull um Florian Lipowitz
Das Red-Bull-Team um Florian Lipowitz und Remco Evenepoel gilt als einer der Favoriten auf den Sieg und das erste Gelbe Trikot. Evenepoel ist der beste Zeitfahrer seiner Generation, mehrfacher Weltmeister und Olympiasieger. In den beiden Vorjahren gewann er je ein Einzelzeitfahren bei der Tour. „Wir haben echt extrem viel Arbeit reingesteckt und es wird auf jeden Fall ein spezieller Start von der Tour“, sagte Lipowitz. „Ich glaube, am Ende kann man bei Mannschaftszeitfahren mehr verlieren, als man gewinnen kann.“ Spannend wird, wie lange die Teams in einer größeren Gruppe zusammenbleiben und wann sich die besten Zeitfahrer absetzen.
Der Kurs in Barcelona
Der Kurs führt vom Meer aus über mehrere lange Geraden zur Sagrada Família. Im Anschluss wird es technischer, ehe im Finale zwei Anstiege am Montjuïc, dem Hausberg Barcelonas, bewältigt werden müssen. Diese sind anspruchsvoll, aber recht kurz, sodass sie nicht nur für Kletterspezialisten gut zu bewältigen sind.
Weitere Favoriten
Besonders die Anstiege am Ende dürften Tadej Pogacar und seinem UAE-Team Gelegenheit bieten, Zeit gutzumachen oder einen Abstand herauszufahren. In der Fläche hat die Mannschaft des Tour-Favoriten unter anderem mit dem deutschen Zeitfahr-Meister Nils Politt starke Zugmaschinen. Daneben sind auch Visma mit Giro-Sieger Jonas Vingegaard und das deutsche Lidl-Team zu nennen.
Kritik an den neuen Regeln
Red-Bull-Teamchef Ralph Denk ist kein großer Fan der neuen Regel. „Ich würde den traditionellen Modus bevorzugen, wo also quasi nach dem vierten Rennfahrer die Zeit gemessen wird“, sagte er. „Es heißt ja Teamzeitfahren und nicht individuelles Zeitfahren mit langem Lead-Out. Aber das ist, wie es ist, das muss man so hinnehmen.“ Dennoch soll der prestigeträchtige Sieg und das erste Gelbe Trikot der dreiwöchigen Rundfahrt möglichst ein Fahrer seines Teams holen.



