Florian Lipowitz, die deutsche Hoffnung bei der Tour de France, hat das Rennen nach einem schweren Sturz im Zeitfahren der 16. Etappe aufgeben müssen. Der 25-Jährige vom Team Red Bull – Bora – hansgrohe stürzte rund acht Kilometer vor dem Ziel in einer Rechtskurve, als ihm das Vorderrad wegrutschte. Mit blutenden Wunden an Schulter und Bein wurde er von einem Betreuer gestützt in den Medical Truck gebracht. Seine Freundin Antonia Weeger eilte wenig später zu ihm.
Pogacar und Evenepoel zeigen Anteilnahme
Der Gesamtführende Tadej Pogacar, der an derselben Stelle ebenfalls zweimal ins Rutschen kam, zeigte sich betroffen: „In der Kurve, in der Lipo gestürzt ist, bin ich ebenfalls fast zu Fall gekommen. Ich hoffe, Lipo ist okay“, sagte der Slowene. „Wir haben gesehen, was an nur einem Tag passieren hier kann.“ Auch Etappensieger Remco Evenepoel, Lipowitz' Teamkollege bei Red Bull, äußerte sich: „Ich habe gehört, dass Florian gestürzt ist. Das gibt dem ganzen einen faden Beigeschmack. Ich wünsche ihm gute Besserung.“ Evenepoel gewann das 26,1 Kilometer lange Zeitfahren mit 28 Sekunden Vorsprung auf Pogacar.
Gemischte Gefühle bei Red Bull
Im Lager von Red Bull – Bora – hansgrohe war die Stimmung entsprechend zwiespältig. Sportlicher Leiter Klaas Lodewyck sagte: „Es ist sehr bitter, das zu sehen. Es sind gemischte Emotionen: Einmal zum Mond durch den Sieg von Remco, aber der Verlust von Lipo war ein schwerer Schlag für das Team.“ Lipowitz war als Gesamtfünfter in die Etappe gegangen und hatte bis zum Sturz ein exzellentes Zeitfahren gezeigt – nur Evenepoel und Pogacar waren besser. Nach dem Aus des Dänen Jonas Vingegaard ist Lipowitz der zweite Podiumsfavorit, der die Tour vorzeitig verlassen musste. Der Schwabe war im Vorjahr sensationell Dritter der Gesamtwertung geworden.
Nächtliche Dopingkontrolle und weitere Vorfälle
Die Nacht vor dem Zeitfahren war für das Red-Bull-Team ungewöhnlich: Alle acht Fahrer wurden gegen 22.00 Uhr einer Dopingkontrolle unterzogen. Teamkollege Nico Denz berichtete der ARD: „Es ist noch im Rahmen. Ich war 22.30 Uhr dran. Das ist besser als 2.00 Uhr nachts. Sie waren mit drei, vier Mann vor Ort. Das ging recht zackig, sie haben das professionell gemacht.“ Anders als bei den umstrittenen Nachtkontrollen bei Pogacar (um 5 Uhr) und Vingegaard (um 2 Uhr) handelte es sich hier um eine spätabendliche, aber nicht nächtliche Kontrolle.
Zudem gab es einen ungewöhnlichen Zwischenfall mit Brandon McNulty, einem Teamkollegen von Pogacar und Nils Politt. Der US-Amerikaner stieß vor dem Start der Etappe mit einem Auto zusammen. Teamchef Mauro Gianetti erklärte bei Eurosport: „Der Fahrer sei wütend hinter ihm gewesen. Wir wissen nicht, warum. Er überholte Brandon, stoppte das Auto. Und dann stieß Brandon leider mit dem Auto zusammen.“ Gianetti betonte, es sei „nichts so Großes“ gewesen – „alles ist gut. Aber es war nicht so schön.“
Aussichten auf die nächsten Etappen
Nach drei Etappen, die von den Gesamtklassement-Fahrern dominiert wurden, könnten am Mittwoch auf der 174,7 Kilometer langen, überwiegend flachen Etappe von Chambéry nach Voiron die Sprinter noch einmal ihre Chance bekommen. Zwar stehen einige leichte Anstiege an, doch zum Ende hin ist ein Massensprint möglich – oder ein Ausreißer triumphiert. Die Tour geht weiter, während das Red-Bull-Team den Verlust von Lipowitz verkraften muss.



