Die offizielle Bewerbung Deutschlands für den Grand Départ der Tour de France im Jahr 2029 ist eingereicht. Tour-Chef Christian Prudhomme lobte das Projekt als „verlockendes Vorhaben“, das die Verbindung von Sport und Geschichte eindrucksvoll vereine. Der Start des weltweit größten Radrennens soll in Berlin und drei ostdeutschen Bundesländern stattfinden – ausgerechnet 40 Jahre nach der friedlichen Revolution und dem Fall der Berliner Mauer.
Symbolträchtiger Ort: Brandenburger Tor als Bühne
Die Bewerbung wurde vom Verein Grand Départ Allemagne unter Beteiligung der Länder Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen initiiert. Träger ist der deutsche Radsportverband German Cycling. Bei der Vorstellung vor dem Brandenburger Tor betonte Prudhomme die historische Dimension: „Das ist ein so wichtiger Jahrestag für die Deutschen. Aber auch für ganz Europa und über Europa hinaus, für alle Menschen, die an die Freiheit glauben.“ Die Tour-Organisatoren erhielten als Geschenk zwei Bruchstücke der Berliner Mauer – ein kleines und ein großes Exemplar, das nach Frankreich gebracht werden soll.
Streckenplanung: Prolog in Berlin, drei Etappen in Ostdeutschland
Der geplante Grand Départ umfasst einen Prolog in Berlin sowie drei Etappen durch Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen. Die Route soll historische Schauplätze passieren und die reiche Radsporttradition Ostdeutschlands hervorheben. Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) warb eindringlich für die Bewerbung: „Die Menschen sind so neugierig und wollen unbedingt dabei sein. Sie werden direkt neben dem Peloton stehen und es anfeuern. Das wäre das perfekte Bild – die Postkarten, die wir brauchen, um Europa zu vereinen, junge Menschen zu inspirieren und zu zeigen, dass Frankreich und Deutschland gemeinsam der Motor der europäischen Integration sind.“
Wettbewerb: Slowenien und Prag als Mitbewerber
Neben Deutschland haben auch Slowenien (Heimat des Tour-Dominators Tadej Pogačar) und die tschechische Hauptstadt Prag Interesse an der Ausrichtung des Grand Départs 2029 angemeldet. Prudhomme scherzte, der Unterschied zu den anderen Kandidaten sei, dass die deutsche Bewerbung „schwer zu bewegen“ sei – eine Anspielung auf das schwere Mauerstück. Eine Entscheidung wird voraussichtlich bis Anfang 2027 fallen. „Alles zu seiner Zeit“, sagte der Tour-Chef.
Vorgeschichte: Vierte deutsche Grand-Départ-Bewerbung
Bisher fanden vier Grand Départs in Deutschland statt: 1987 startete die Tour in West-Berlin, 2017 in Düsseldorf. Der letzte Start in Deutschland liegt also zwölf Jahre zurück. Die Bewerbung für 2029 setzt gezielt auf die emotionale Kraft des Jahrestags. Auch die Radsporttradition Ostdeutschlands mit Veranstaltungen wie der Friedensfahrt und Fahrern wie Olaf Ludwig spielt eine Rolle. Prudhomme erinnerte sich: „Als ich noch ein Kind war, als Teenager, als junger Journalist – das war ein sehr intensives Erlebnis.“
Bundesländer und Bund unterstützen geschlossen
Die Bewerbung wird nicht nur von den vier Ländern, sondern auch vom Bund unterstützt. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner sowie die Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (Sachsen) und Sven Schulze (Sachsen-Anhalt) waren bei der Vorstellung anwesend und warben gemeinsam für das Projekt. Ziel sei es, „ein europäisches Zeichen für Freiheit, Zusammenhalt und die deutsch-französische Freundschaft“ zu setzen, hieß es von German Cycling und dem Verein Grand Départ Allemagne.



