Die Ukraine wird den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) anrufen, um den jüngsten Beschluss des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) anzufechten, die vorläufige Sperre des Russischen Olympischen Komitees (ROC) aufzuheben. Dies kündigte der ukrainische Sportminister Matwij Bidny auf dem Netzwerk LinkedIn an. Die Entscheidung des IOC vom Anfang Juli sieht zudem vor, die Sanktionen gegen russische Sportlerinnen und Sportler weitgehend zu beenden, was auch für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles gelten soll.
Ukraine reicht Klage ein
Bidny begründete den Schritt mit der „Voreiligkeit“ des IOC. Er betonte, dass Russland zwar formal die Struktur seines Olympischen Komitees geändert habe, jedoch weiterhin Ansprüche auf ukrainisches Territorium erhebe. „Russland hat ukrainische Sportorganisationen in seine eigene Struktur integriert“, erklärte der Minister. Die Ukraine sei seit mehr als vier Jahren russischen Angriffen ausgesetzt. Die Klage vor dem CAS soll die Wiederzulassung des ROC rückgängig machen.
Hintergrund der IOC-Entscheidung
Das IOC hatte die Sperre des ROC im Oktober 2023 verhängt, weil dieses die vier annektierten ukrainischen Gebiete Donezk, Cherson, Luhansk und Saporischschja in seine Mitgliedschaft aufgenommen hatte. Dies verstieß gegen die Olympische Charta. Der russische Sportverband zog jedoch mit einem juristischen Manöver die Grundlage für die Sanktionen weg: Er änderte seine Satzung, sodass die umstrittenen Regionen nicht mehr als Teil des ROC geführt wurden. Daraufhin hob das IOC die Sperre vorläufig auf, da die Charta-Verletzung nicht mehr vorliege.
Russlands juristischer Schritt gegen World Athletics
Parallel dazu hat Russland selbst Klage vor dem CAS gegen den Leichtathletik-Weltverband World Athletics eingereicht. Dieser Verband hält ungeachtet der IOC-Entscheidung an einem kompletten Ausschluss russischer und belarussischer Athleten von internationalen Wettbewerben fest. World Athletics hatte Russland bereits im November 2015 wegen systematischen Dopings gesperrt. Seitdem durften nur einzelne Sportler als neutrale Athleten starten. Die Klage Russlands zielt darauf ab, diese Sperre aufzuheben.
Ausblick
Die Entwicklungen zeigen die anhaltende Politisierung des Sports im Kontext des Ukraine-Krieges. Während das IOC auf eine Trennung von Sport und Politik setzt, sehen die Ukraine und ihre Unterstützer die Entscheidung als Gefahr für die Integrität des olympischen Gedankens. Der CAS wird nun über beide Fälle zu entscheiden haben – möglicherweise mit weitreichenden Folgen für die Teilnahme Russlands an den nächsten Olympischen Spielen.



