Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und CSU-Chef Markus Söder haben sich darauf verständigt, dem zurückgetretenen Fraktionschef Jens Spahn auch künftig eine zentrale Position in der Unionsfraktion zu sichern. Nach Informationen des SPIEGEL aus Fraktionskreisen soll Spahn nicht fallengelassen, sondern mit einem neuen Aufgabenfeld betraut werden. Die Personalrochade sei bereits weitgehend abgeschlossen: Thorsten Frei, bisher parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, übernimmt den Vorsitz der Fraktion.
Spahn als stellvertretender Fraktionschef im Gespräch
Nach dts-Informationen, die der SPIEGEL bestätigte, ist geplant, Spahn als stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden zu installieren. Damit soll seine Erfahrung und sein Netzwerk erhalten bleiben, ohne dass er die öffentliche Verantwortung des Vorsitzes trägt. „Der Kanzler hat sich ausdrücklich bei Jens Spahn für dessen jahrelange Arbeit bedankt und klargemacht, dass er weiter auf ihn zählt“, zitierten Teilnehmer aus einer vertraulichen Runde der Fraktionsspitze. Auch Söder betonte laut übereinstimmenden Berichten, Spahn sei „ein unverzichtbarer Kopf“ der Union.
Frei als Integrationsfigur gehandelt
Thorsten Frei, 47 Jahre alt und Jurist aus Baden-Württemberg, gilt als erfahrener Parlamentarier und enger Vertrauter von Merz. Er war bereits seit 2021 parlamentarischer Geschäftsführer und kennt die Abläufe im Bundestag genau. In der Fraktion wird er als konsensorientiert und durchsetzungsstark beschrieben. Seine Wahl soll noch in dieser Woche formal erfolgen. Beobachter werten die Berufung Freis als Signal für Kontinuität und Stabilität in der Regierungsarbeit – insbesondere angesichts der anstehenden Haushaltsverhandlungen und der deutsch-französischen Beziehungen.
Strategische Neuaufstellung der Union
Die Rochade ist Teil einer breiteren Personaloffensive der Unionsspitze, die auf die Bundestagswahl 2026 abzielt. Mit Spahn in einer starken zweiten Reihe soll das konservative Profil geschärft werden, während Frei als moderner, pragmatischer Kopf gilt. Kritiker warnen jedoch, dass die Personalentscheidung intern noch nicht vollständig ausdiskutiert sei. Der eine oder andere Abgeordnete hätte sich offenbar eine offene Auswahl gewünscht. Aus der CSU war zu vernehmen, dass man mit der Lösung „sehr zufrieden“ sei, nachdem Spahn in den letzten Monaten immer wieder für Kontroversen gesorgt hatte.
Reaktionen aus den eigenen Reihen
Führende Unionspolitiker reagierten verhalten optimistisch. „Thorsten Frei ist ein hervorragender Parlamentarier und wird die Fraktion mit ruhiger Hand führen“, sagte ein CDU-Präsidiumsmitglied dem SPIEGEL. Gleichzeitig wurde betont, dass Spahn künftig bei wirtschaftspolitischen Themen federführend sein könnte – ein Feld, das er schon als Bundesgesundheitsminister bearbeitet hatte. Die Opposition reagierte mit Spott: „Die Union baut um, aber die Probleme bleiben dieselben – keine klare Linie, keine neuen Gesichter“, kommentierte der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion. Die Linke sprach von „alter Männerriege“.
Ausblick: Spahns Rolle in der Regierung
Noch offen ist, ob Spahn auch ein Regierungsamt übernehmen könnte. Gerüchte über einen Wechsel ins Wirtschaftsministerium waren in der vergangenen Woche aufgetaucht, wurden aber von Merz‘ Umfeld dementiert. Ein Sprecher des Kanzleramts ließ verlauten, dass zunächst die Fraktionsspitze neu aufgestellt werde. „Weitere Personalentscheidungen sind derzeit nicht terminiert.“ Klar ist aber: Die Union setzt im Wahlkampf auf die gesamte Breite ihrer Führungsriege – und dazu gehört Jens Spahn nach wie vor.



