»Nachdem wir uns alle Standpunkte aufmerksam angehört haben, ist deutlich geworden, dass das Projekt zu Spaltungen geführt hat«, hieß es in einer Mitteilung der Fifa vom 1. August. Damit ist das Aus für Gianni Infantinos Plan besiegelt, Anteile an der Vermarktung der Weltmeisterschaft an externe Investoren zu verkaufen. Der Weltverband werde eine solche Beteiligung nicht weiterverfolgen, teilte die Fifa mit.
Der Rückzug ist das Ende einer Auseinandersetzung, die den Weltfußball in seinen Grundfesten erschüttert hat. Besonders die Europäische Fußball-Union Uefa hatte sich gegen den Verkauf von WM-Anteilen gestellt und mit einem Boykott des Turniers gedroht. Zudem hatte Carlos Cordeiro, der Chefberater der Fifa, seinen Rücktritt erklärt – ein Zeichen für die tiefe Verunsicherung innerhalb des Verbands.
Internationale Pressestimmen: »Der Fußball hat gesiegt«
Die internationale Reaktion fällt vernichtend aus. In Großbritannien schreibt die Daily Mail von einer »peinlichen Kehrtwende«: Der Fifa-Präsident vollziehe eine Kehrtwende bei den Plänen zur Vermarktung der Weltmeisterschaft und habe eine »demütigende Niederlage« erlitten. Der Guardian spricht von einem spektakulär gescheiterten Vorhaben. Die Times sieht durch die Revolte innerhalb der Fifa ernsthafte Zweifel an Infantinos Verbleib im Amt aufkommen.
Spanien: Infantino hat den Kampf verloren
Die Sportzeitung As wertet den Schritt als »globalen Rückschlag« für Infantino. Es sei nur eine Frage der Zeit gewesen, bis die »abwegige Idee« scheitern würde – insbesondere nach dem Rücktritt von Carlos Cordeiro. Die Uefa habe den Widerstand angeführt, nun habe Infantino den Kampf verloren. Die Tageszeitung El País bringt es auf den Punkt: »Der Fußball mit seinen Millionen von Fans hat über externe Akteure gesiegt, die Fifa hat verloren.« Marca titelt knapp: »Totale Niederlage für Infantino.«
Frankreich: »Position noch nie so stark erschüttert«
Die französische Sportzeitung L’Équipe sieht den Fifa-Chef so geschwächt wie nie zuvor. Infantino habe mit seinem Plan, die Weltmeisterschaft teilweise zu verkaufen, »so viel Widerstand wie noch nie« erfahren. Seit seiner Wahl zum Präsidenten im Jahr 2016 sei seine Position »noch nie so stark erschüttert« worden. Der Verband stecke in einer Krise. Die harte Linie der Uefa – die Boykottdrohung – habe die Führung des Weltfußballs destabilisiert.
Italien: »Die Vernunft hat gesiegt«
Die Gazzetta dello Sport kommentiert trocken: »Schluss jetzt! Die Vernunft hat gesiegt.« Das Projekt habe in den letzten Stunden »die halbe Welt empört«. Diese Reaktion zeigt, wie schnell der Druck auf Infantino gewachsen war – und wie isoliert er mit seiner Idee letztlich dastand.
Die Folgen: Infantinos Zukunft ist offen
Mit dem Verzicht auf den WM-Verkauf verliert Infantino nicht nur ein zentrales Prestigeprojekt, sondern auch an Rückhalt. Die Times spricht offen von ernsthaften Zweifeln an seinem Verbleib im Amt. Die L’Équipe diagnostiziert eine tiefe Krise des Verbands. Die Uefa hat sich mit ihrer harten Haltung durchgesetzt – ein Präzedenzfall, der Infantinos Autorität weiter untergräbt.
Ob der Fifa-Präsident das Vertrauen der Mitgliedsverbände zurückgewinnen kann, ist fraglich. Die internationale Presse zeichnet ein düsteres Bild: Der Mann, der den Weltfußball öffnen wollte für private Investoren, steht nun als Verlierer da. Der Konflikt zwischen Fifa und Uefa dürfte damit nicht beigelegt sein – eher wird er sich weiter zuspitzen. Die Entscheidung vom 1. August könnte sich als Wendepunkt erweisen, nicht nur für die Pläne, sondern auch für Infantino selbst.



