Mit der chinesischen Fahne über den Schultern und der Silbertrophäe im Arm genoss Snooker-Weltmeister Wu Yize den größten Triumph seiner Karriere. Der 22-Jährige besiegte im packenden Finale des Crucible Theatre den Engländer Shawn Murphy mit 18:17. Es war das erste WM-Finale seit 2002, das im 35. und letzten Frame entschieden wurde.
Wu gestand nach dem Sieg: „Ich möchte einfach nur gut schlafen. Ich war vor dem Spiel so wahnsinnig nervös, deshalb möchte ich jetzt nur noch ins Bett.“ Zuvor hatte er im Halbfinale Mark Allen aus Nordirland mit 17:16 bezwungen. Der sechsmalige Weltmeister Steve Davis lobte: „Das ist wahrscheinlich der höchste Standard, den wir je bei einer WM gesehen haben.“
Der Triumph des Chinesen kommt zu einem pikanten Zeitpunkt: Mehrere chinesische Profis hatten 2023 den größten Wettskandal in der Snooker-Geschichte verursacht. Vorjahres-Weltmeister Zhao Xintong wurde wegen illegaler Matchabsprachen gesperrt, andere Profis lebenslang ausgeschlossen. Wu war damals nicht betroffen und musste keine Fragen dazu beantworten.
Stattdessen dankte er seinen Eltern: „Sie sind die wahren Helden. Seit ich mich dafür entschieden habe, die Schule abzubrechen, sind sie an meiner Seite. Sie sind meine Stütze, ich liebe sie so sehr.“ Wu folgt auf Zhao Xintong, der sich im Vorjahr zum ersten chinesischen Weltmeister gekrönt hatte.
Der unterlegene Murphy, der bereits 2005 Weltmeister wurde, zeigte sich fair: „Ich habe gesagt, dass er eines Tages Weltmeister werden würde. Es ist für mich einfach nur schade, dass es heute schon passiert ist, aber ich habe alles getan.“ Wu Yize war bei Murphys erstem WM-Titel erst eineinhalb Jahre alt.



