Jan-Lennard Struff (36) sorgt in Wimbledon für die große Überraschung des Jahres. Mit einem herausragenden Auftritt bezwang der Deutsche den Weltranglisten-Neunten Daniil Medvedev (30) mit 7:6, 7:6, 7:5 nach 2:49 Stunden und zog erstmals ins Achtelfinale des bedeutendsten Tennisturniers der Welt ein. Nach dem Sieg feierte der Warsteiner mit den Fans, seinem Trainer und Manager – von der Familie fehlte jedoch jede Spur. Neben Ehefrau Madeleine hat Struff einen Sohn und eine Tochter.
Familie bleibt in Deutschland
Struff erklärte: „Meine Frau war bis Mittwoch da und sah das erste Spiel. Als ich mein zweites hatte, musste sie zeitgleich in den Flieger. Die Kinder sind ja zu Hause geblieben, die haben Schule und wir haben ja Schulpflicht in Deutschland. Deswegen ist es schwierig, hierherzukommen.“ Auch im Achtelfinale am Sonntag gegen den Polen Hubert Hurkacz (29) muss die Nummer 74 der Welt auf familiären Beistand verzichten. „Wir haben morgen Kita-Fest. Es ist alles gut, wie es ist. Ich freue mich aber, wenn ich sie alle wiedersehe“, sagte Struff. Bis dahin hilft das Handy: „Wir haben gerade gefacetimt.“
Doppel abgesagt – Fokus auf Einzel
Am spielfreien Samstag wird Struff erneut mit der Familie telefonieren. Das Doppel mit Yannick Hanfmann (34) hatte er abgesagt. „Wir hätten nach dem Match gegen Medvedev spielen müssen und dann auch am Samstag, das wäre zu viel gewesen. Da darf ich nicht naiv reingehen und mir denken: ‚Das geht schon irgendwie.‘ Dafür war die Partie heute zu intensiv. Es tut mir leid für Yannick, aber er hatte volles Verständnis“, so der Überraschungsprofi.
Plan für den freien Tag
Wie sieht der freie Tag aus? „Ich werde ein bisschen trainieren, den Ball fühlen. Ich wohne relativ nah an der Anlage in einem Haus. Da werde ein bisschen mit dem Hund im Garten verbringen, ein wenig ausruhen, schlafen, Fußball gucken, vielleicht Sascha schauen.“ Damit meint er die Partie von Alexander Zverev (29), der am Sonnabend (gegen 16 Uhr, Eurosport live) ins Achtelfinale einziehen will.
Vertrauter Trainer an seiner Seite
Einer, der am Sonntag auf jeden Fall in seiner Box sitzen wird, ist Ex-Profi Carsten Arriens (57). Den hatte Struff im Frühjahr zurückgeholt. Bis nach Wimbledon gilt die Vereinbarung. Struff: „Mit Carsten, das ist ein vertrauensvolles Verhältnis. Wir haben ja schon mal neun Jahre zusammengearbeitet. Da war ich sehr dankbar, dass er mir angeboten hat, in dieser Phase, in der ich keinen Trainer habe, zu helfen. Ich wollte nicht direkt was ganz Neues, sondern etwas Vertrautes, um meine Gedanken klar ordnen zu können.“ Wenn solche Auftritte wie in Wimbledon das Ergebnis sind, könnte die Liaison länger halten.



