Biathlon-Desaster in Estland: Deutsche Staffeln stürzen nach Schieß-Fiaskos ab
Der Biathlon-Weltcup in Otepää endete für das deutsche Team mit einem frustrierenden Debakel. Besonders deutlich wurde das nach der Single-Mixed-Staffel, in der Justus Strelow nach einem enttäuschenden vierten Platz kein Blatt vor den Mund nahm. Der 29-Jährige war nach seinem Rennen sichtlich bedient und übte ungewöhnlich harte Selbstkritik.
„Absolut indiskutabel“: Strelows vernichtendes Urteil
„Das war mit Abstand das schlechteste Rennen, was ich je gemacht habe“, sagte der Sachse im ARD-Interview und meinte damit vor allem seine schwache Leistung am Schießstand. Ausgerechnet der normalerweise treffsichere Schütze leistete sich gleich drei Strafrunden und lag zwischenzeitlich weit außerhalb der Top 15. Für das deutsche Duo drohte zeitweise sogar das schlechteste Ergebnis der Verbandsgeschichte in dieser Disziplin.
Strelow weiter: „Vor allem liegend ärgert es mich extrem, das ist absolut indiskutabel!“ Auch zuvor lief es für ihn im estnischen Otepää, dem WM-Ort von 2027, alles andere als rund. Im Sprint wurde er nur 41., in der Verfolgung reichte es zu Rang 24. „Wir haben Vanessa zu verdanken, dass wir noch Vierter geworden sind“, sagte Strelow.
Voigt rettet das Ergebnis – Norwegen siegt
Dass es am Ende noch für Rang vier reichte, lag vor allem an Teamkollegin Vanessa Voigt. In einem hektischen Rennen mit vielen Fehlern bei der Konkurrenz arbeitete sie sich mit einer starken Leistung noch nach vorn. Der Sieg ging an Norwegen vor Schweden und Finnland. Frankreich lag lange aussichtsreich im Rennen, wurde jedoch disqualifiziert, nachdem Émilien Jacquelin einen Schuss zu viel abgegeben hatte. Deutschland lag schließlich mehr als zwei Minuten hinter den Norwegern zurück.
Mixed-Staffel enttäuscht ebenfalls
Auch in der anschließenden Mixed-Staffel lief es nicht besser. Philipp Horn musste ebenfalls drei Strafrunden drehen, Julia Tannheimer eine weitere. Gemeinsam mit Philipp Nawrath und Selina Grotian kam das Quartett nach insgesamt vier Strafrunden und 18 Nachladern nur auf Platz fünf. Der Rückstand auf Sieger Schweden betrug mehr als eine Minute.
Horn sprach anschließend offen von Problemen mit seinem Material. Die Beziehung zu seinem Gewehr beschrieb er als „Krise“. „Ich ärgere mich über mich selbst, weil ich schon das Gefühl hatte, dass es irgendwie machbar war“, sagte er.
Saisonfinale in Oslo als Chance zur Wiedergutmachung
Zum Saisonabschluss reist der Weltcup-Tross nun nach Oslo. Dort stehen noch Sprint, Verfolgung und Massenstart auf dem Programm. Dort müssen die Deutschen zeigen, dass Otepää nur ein Ausrutscher war. Die enttäuschenden Leistungen am Schießstand werfen Fragen auf, die vor dem Saisonfinale dringend geklärt werden müssen.
Die deutschen Biathleten stehen unter Druck, ihre Form vor dem Heimweltcup zu finden. Die schwachen Schießergebnisse in beiden Staffelrennen haben das Team zurückgeworfen und erfordern eine schnelle Analyse. Ob es sich um technische Probleme, mentale Blockaden oder eine vorübergehende Formschwäche handelt, muss das Trainerteam nun herausfinden.



