Maren Hammerschmidt: „Laura Dahlmeiers Tod ist unbegreiflich“
Laura Dahlmeiers Tod zerriss Maren Hammerschmidt

Maren Hammerschmidt hat ein Jahr nach dem tragischen Tod ihrer engen Freundin und ehemaligen Biathlon-Kollegin Laura Dahlmeier erstmals ausführlich über ihre Trauer gesprochen. Die 36-Jährige verriet der Deutschen Presse-Agentur, wie sie den Verlust verarbeitet und welche Rituale sie von der Doppel-Olympiasiegerin übernommen hat.

Ein letztes Telefonat und ein geplatzter Traum

Am 28. Juli 2025 starb Laura Dahlmeier beim Abstieg vom Laila Peak in Pakistan. Die siebenmalige Weltmeisterin und ausgebildete Bergführerin wurde in 5.700 Metern Höhe von einem Steinschlag am Kopf getroffen und war mutmaßlich sofort tot. Ihre Kletterpartnerin überlebte. Hammerschmidt und Dahlmeier hatten kurz zuvor noch telefoniert – über eine gemeinsame Tour auf die Zugspitze, die nie stattfand.

„Es wäre richtig schön gewesen, es mit ihr zusammen zu machen. Sie hätte mir in ihrer Heimat jedes Fleckchen zeigen können“, sagte Hammerschmidt. Das Gespräch sei das letzte gewesen. „Ich habe das noch sehr bildlich vor Augen, weil ich bei mir zu Hause abends durch den Garten gegangen bin und gegossen habe.“

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„Eine unzerstörbare Naturgewalt“

Hammerschmidt beschreibt Dahlmeier als „Naturgewalt, die unzerstörbar war“. Der Verlust sei nach wie vor in Wellen da, auch wenn es langsam besser werde. Anfangs habe sie alles in sich reingefressen und gemeinsame Bilder nicht anschauen können. „Das hat mir in meinem Trauerprozess natürlich nicht geholfen. Weil es einfach unbegreiflich für mich war.“

Dahlmeiers Mutter Susi, von Beruf Goldschmiedin, schenkte Hammerschmidt eine Kette, die einst ihrer Tochter gehörte. „Diese Kette hat auch Laura viel bedeutet“, so Hammerschmidt. Die Kette mit einem kleinen Buddha gibt ihr Halt: „Das gibt mir dann ein Bisschen Ruhe und Stärke.“

„Der schönste Friedhof für Laura“

Dahlmeier verbleibt am Berg nahe dem Gipfel. „Ich glaube, das ist der schönste Friedhof, den es für die Laura gibt. Verschmolzen mit dem Herzen der Berge. Das war sie und das ist sie“, sagte Mutter Susi Dahlmeier. Hammerschmidt konnte sich anfangs nicht damit anfreunden, doch heute denkt sie: Wo, wenn nicht in den Bergen, hätte Dahlmeier lieber ihre letzte Ruhestätte gefunden?

Dahlmeier hatte als Extrembergsteigerin vorgesorgt: Testament und Beerdigungsplanung. Dennoch sprachen die Freundinnen nie über einen möglichen Tod bei Bergtouren. „Auch wenn es bei dem, was sie tat, eigentlich naheliegend gewesen wäre“, so Hammerschmidt.

Offene Fragen und neue Prioritäten

Nach der Trauerfeier am 11. August 2025 wurde Hammerschmidt krank – Körper und Psyche reagierten auf das Unfassbare. Sie bereut, nicht öfter Zeit mit Dahlmeier verbracht zu haben. „Das hat mich sehr beschäftigt. Dass wir uns nicht die Zeit genommen haben, uns öfter zu sehen. Ich bereue, was ich alles nicht mit ihr gemacht habe. Gespräche, die ich gerne noch geführt hätte, Fragen, die ich noch hatte.“

Heute versucht sie, weniger aufzuschieben. „Aber ich habe es des Öfteren im Kopf und wenn ich Sachen mache, die außerhalb meiner Komfortzone liegen, denke ich tatsächlich oft: Das hätte Laura gefallen.“

Der Beginn einer tiefen Freundschaft

Die Freundschaft begann im Dezember 2015 beim Weltcup in Hochfilzen, als beide zufällig Zimmerkolleginnen wurden. „Wir haben viel gelacht, uns fast jeden Tag gefoppt, hatten einfach unheimlich viel Spaß zusammen.“ Dahlmeier war der Star des Teams, ließ das aber nie raushängen. „Sie war einfach die Beste.“

Dahlmeier, die dem Buddhismus zugeneigt war, reiste stets mit Palo Santo („heiliges Holz“) und verbrannte weißen Salbei, um schlechte Geister zu vertreiben. Hammerschmidt hat dieses Ritual übernommen. „Laura ist immer mit einem Palo Santo gereist“, erinnert sie sich. Wenn sie es heute anzündet, erinnert der Geruch an ihre Freundin.

Die Berge als Erholung und Leidenschaft

Schon während der aktiven Karriere brauchte Dahlmeier ihre Bergtouren zur Erholung. „Das war für sie Erholung. Das fand ich immer sehr beeindruckend“, sagt Hammerschmidt. Als kurz vor den Olympischen Spielen 2018 ein enger Freund beim Klettern starb, fragte sich Dahlmeier, ob sie weitermachen solle. Ihre Antwort: „Das wäre doch nicht mehr ich.“

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Hammerschmidt ist überzeugt, dass der Tod nicht das Ende ist. „Laura glaubte sehr stark an eine innere Kraft und dass man auf verschiedenen Ebenen miteinander verbunden sein kann. Ich kann nicht sagen, wo man dann sein wird. Aber ich glaube nicht, dass das das Ende ist. Wir müssen ja noch einige Gespräche führen.“