Paralympics 2026: Goldmangel überschattet deutsche Bilanz - Forster als Retterin
Die Winter-Paralympics in Italien endeten für das deutsche Team mit einer gemischten Bilanz. Während Anna-Lena Forster als herausragende Athletin glänzte, erreichte der Deutsche Behindertensportverband (DBS) mit Platz zehn im klassischen Medaillenspiegel die schlechteste Platzierung seit fünfzig Jahren paralympischer Winterspiele. Vor vier Jahren in Peking hatte es noch für Rang sieben gereicht.
Forsters Goldmedaillen verhindern Absturz aus Top Ten
Allein die zwei Goldmedaillen der dreißigjährigen alpinen Monoskifahrerin Anna-Lena Forster bewahrten das deutsche Team vor einem Absturz aus den Top Ten der Nationenwertung. Forster triumphierte in der Abfahrt und im Riesenslalom und sicherte sich zusätzlich Silber in der Super-Kombination. "Ich bin unheimlich stolz auf mich", sagte die Sportlerin, obwohl nach einem vierten Platz im Slalom zum Abschluss bittere Tränen flossen.
Positive Bilanz trotz historisch schlechter Platzierung
Der DBS zog dennoch eine positive Bilanz, basierend auf der eigenen Medaillen-Zählweise. Durch sechs zweite und neun dritte Plätze neben Forsters zwei ersten Rängen kommt Team Deutschland auf insgesamt siebzehn Medaillen. Damit erreichte man die viertmeisten Medaillen hinter China, den USA und der Ukraine. "Wir haben von vornherein immer gesagt, dass wir unter den Top-6-Nationen sein wollen im Ranking der Gesamtanzahl an Medaillen", bilanzierte Chef de Mission Marc Möllmann. Man liege auf Platz vier und könne sagen, "dass der Zielkorridor bis jetzt eingehalten ist".
Internationale Konflikte überschatten die Spiele
Die Paralympics in Norditalien wurden erneut von internationalen Konflikten überschattet. Der Iran fehlte komplett, da der einzige gemeldete Starter nach Angriffen der USA und Israels nicht sicher anreisen konnte. Der Krieg Russlands in der Ukraine hatte sichtbare Auswirkungen: Weil russische Sportler unter eigener Fahne und mit Hymne antreten durften, boykottierte die Ukraine sowohl die Eröffnungsfeier als auch die Abschlusszeremonie.
"Da wird die Flagge eines Staatsmörders gehisst. Diese Paralympischen Spiele sind die schlimmsten in der Geschichte", sagte Valeriy Sushkevych, Präsident des Nationalen Paralympischen Komitees der Ukraine. Andere Nationen wie Litauen und Estland schlossen sich dem Boykott an, während das deutsche Team sich für eine Teilnahme an der Schlussfeier entschied.
Abwärtstrend und Zukunftsperspektiven
Den stetigen Abwärtstrend des deutschen Spitzensports sieht DBS-Sportdirektor Marc Möllmann vor allem im Aufholen anderer Nationen begründet. "Das hat mit der Leistungsdichte zu tun, aber auch mit der Professionalisierung in der jeweiligen Disziplin", erklärte er. Der Verband sei jedoch "noch nicht besorgt". Dennoch beklagte er analog zum Olympia-Team die zahlreichen vierten Plätze, die knapp an der Medaillenbilanz vorbeischlitterten.
Für die Zukunft wünscht sich der DBS mehr finanzielle Unterstützung und besseren Zugang zu moderner Technik. "Dennoch brauchen wir, um den eingeschlagenen Weg in Richtung Professionalisierung weiterzuführen, einen gewissen Aufwuchs", forderte Möllmann mit Blick auf die Finanzierung von Trainern, Lehrgängen und Wettkämpfen.
Medaillensammler und Nachwuchshoffnungen
Eifrigste Medaillensammler waren die nordischen Sportler im Langlauf und Biathlon. Anja Wicker gewann am Schlusstag mit Platz zwei über zwanzig Kilometer ihre insgesamt vierte Medaille und verbesserte die Bilanz auf fünfmal Silber und neunmal Bronze. Bundestrainer Ralf Rombach bilanzierte: "Intensive und emotionale Tage hier in Tesero. Streitigkeiten mit der Jury, Glück, Pech, Krankheit im Team - es war alles dabei".
Wie sich das Team bis zu den kommenden Paralympics 2030 in den französischen Alpen verändert, bleibt offen. Bei den Alpinen geht die sechsunddreißigjährige Andrea Rothfuss in Paralympics-Rente, und auch Andrea Eskau wird nach insgesamt neun Paralympics wohl nicht mehr antreten. Anna-Lena Forster hat sich noch nicht entschieden. Im Nachwuchsbereich machen sich junge Talente wie Leonie Walter, Linn Kazamaier und Johanna Recktenwald bei den Loipensportlern sowie die siebzehnjährige Maya Fügenschuh im Alpinen mit zwei Top-10-Rängen Hoffnung.



