Windchaos in Oslo: Skisprung-Weltcup nach einem Durchgang abgebrochen
Starker und unberechenbar wechselnder Wind hat den Skisprung-Weltcup der Herren im norwegischen Oslo am Samstag frühzeitig beendet. Nach nur einem Durchgang musste der Wettbewerb abgebrochen werden, da die Bedingungen für die Athleten zu gefährlich wurden. Im Mittelpunkt des Geschehens stand dabei eine außergewöhnliche Entscheidung des deutschen Olympiasiegers Philipp Raimund.
Raimunds freiwilliger Verzicht: Sicherheit vor Wettkampf
Philipp Raimund verzichtete freiwillig auf seinen Sprung im ersten Durchgang, nachdem er die zunehmend wilden Windverhältnisse als zu riskant einschätzte. "Ich habe gemerkt, es wird immer noch wilder, immer noch unabsehbarer", erklärte der 27-Jährige in einem Interview mit der ARD. "Ich bin freiwillig hier, ich will Spaß am Skispringen haben und muss mir dann nicht noch Sorgen machen, ob ich heil unten ankomme."
Seine Entscheidung fand breite Unterstützung. Teamkollege Felix Hoffmann hatte kurz zuvor einen Sturz bei ähnlich schwierigen Bedingungen nur knapp verhindert, was die Gefahrenlage zusätzlich verdeutlichte.
Respekt von Hannawald und Horngacher
Skisprung-Legende Sven Hannawald zeigte volles Verständnis für Raimunds Vorgehen. "Ich gebe ihm vollkommen Recht", sagte der 51-Jährige in der ARD. "Heute ist es völlig wild. Da kannst du auch Lotto spielen."
Auch Bundestrainer Stefan Horngacher unterstützte die Entscheidung seines Athleten. "Es war seine Entscheidung. Er ist selber runtergegangen. Das finde ich voll in Ordnung", betonte der 56-Jährige. "Es ist viel schwerer runterzugehen, als runterzuspringen. Das ist für den Sportler viel schlimmer. Aber er hat sich dafür entschieden. Respekt dafür."
Wettkampfergebnisse und deutsche Platzierungen
Der Sieg des abgebrochenen Wettbewerbs ging erstmals in seiner Karriere an den Japaner Tomofumi Naito. Den zweiten Platz sicherte sich der Slowene Anze Lanisek, gefolgt vom Finnen Antti Aalto auf Rang drei.
Für das deutsche Team verlief der Tag durchwachsen. Karl Geiger belegte als bester Deutscher mit einem Sprung auf 127,5 Meter den elften Platz, dicht gefolgt von Andreas Wellinger auf Position zwölf. Im Fokus stand jedoch weniger das sportliche Ergebnis, sondern vielmehr die Gesundheit und Sicherheit aller Springer.
Frauenwettbewerb bei etwas besseren Bedingungen
Die Springerinnen hatten an gleicher Stelle zuvor etwas günstigere Windverhältnisse vorgefunden. Dennoch konnten auch sie keine vorderen Platzierungen erreichen. Agnes Reisch belegte als beste Deutsche beim Sieg der Japanerin Yuki Ito den achten Platz.
Die 26-jährige Reisch, die seit längerer Zeit mit Rückenproblemen kämpft, hatte am Vortag noch den vierten Platz erreicht. "Ich springe tatsächlich nur die Wettkämpfe und kann zu Hause nichts mehr trainieren", gab die Athletin Einblick in ihre schwierige Situation.
Ausblick auf die Saisonfinale
Für die Skispringerinnen und Skispringer stehen noch zwei Weltcup-Wochenenden mit Skiflug-Wettbewerben auf dem Programm. Zunächst geht es ins norwegische Vikersund, bevor vom 26. bis 29. März im slowenischen Planica der Saisonabschluss stattfindet. Die Ereignisse in Oslo haben dabei einmal mehr die Bedeutung von Sicherheitsaspekten im Spitzensport in den Vordergrund gerückt.



