Das Desaster um den entlassenen Digital-Staatssekretär Matthias Hundt wird noch lange nachwirken. Nach nur 69 Tagen im Amt muss der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) eine peinliche Pleite eingestehen. Die Berufung war seine Idee, und nun musste er die Abberufung ebenso eilig vollziehen.
Übergangsgeld von über 50.000 Euro
Der ehemalige Unternehmer Hundt, gegen den die Dresdner Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Insolvenzstraftaten ermittelt, erhält mehr als 50.000 Euro Übergangsgeld. Viele Menschen, die ein ganzes Jahr für ein solches Einkommen arbeiten, sind zu Recht verärgert.
Abenteuerlicher Abgang
Der Abgang selbst ist abenteuerlich: Auf öffentlichen Druck bat Hundt zunächst um Entlassung. Als ihm klar wurde, dass er dann kein Übergangsgeld bekäme, zog er die Bitte zurück und zwang den Senat, ihn offiziell zu entlassen. Für diesen Fall hat er Anspruch auf Übergangsgeld – bei einem monatlichen Bruttogehalt von knapp 12.000 Euro ergibt das über 50.000 Euro zusätzlich.
Fatale Personalie für Wegner
Für Wegner ist die Personalie auch inhaltlich fatal. Er hatte die Digitalisierung der Verwaltung zur Chefsache erklärt. Hundts Vorgängerin Martina Klement hatte Berlins Behörden umgekrempelt, sodass man nun innerhalb von 14 Tagen einen Termin auf dem Bürgeramt bekommt. Hundt dagegen verbrannte in seiner kurzen Amtszeit nicht nur Geld, sondern auch viel Erde. Mit harschem Verhalten eckte er in der Verwaltung an, mit der Chefin des IT-Dienstleistungszentrums stritt er sich auf offener Bühne im Parlament.
Neustart der Digitalisierung
Nun soll Florian Hauer, eigentlich Bevollmächtigter des Landes Berlin, die Digitalisierung quasi nebenbei vorantreiben. Nach Chefsache sieht das nicht mehr aus. Vielleicht ist das auch gut so, denn Geschick in Personalfragen zählt nicht zu Wegners Stärken. Drei Senatorinnen und Senatoren sowie acht Staatssekretäre sind in drei Jahren Amtszeit schon gewechselt. Von diesen elf Leuten waren zehn von der CDU nominiert. Wegners Strategie, auf Newcomer zu setzen, geht nicht auf, wie in der Kulturverwaltung mit Joe Chialo und Sarah Wedl-Wilson zu sehen war.
Getriebener in Personalfragen
Wegner wirkt in Personalfragen wie ein Getriebener. Bei Hundt kam seine Entscheidung sehr übereilt. Hätte er sich besser informiert, hätte er wissen können, dass Hundt sich bereits als Chef der Digitalagentur in Sachsen beworben hatte. Der Freistaat schloss ihn vom Verfahren aus, weil er kein Arbeitszeugnis vorweisen konnte. Das war aktenkundig, da Hundt vergeblich dagegen klagte.
Diese 69 Tage Chefsache kann Kai Wegner nicht einfach von Berlins Festplatte löschen. Ein personeller Fehlgriff vom eiligen Anfang bis zum schnellen Ende, der Vertrauen in die Amtsführung des Regierenden Bürgermeisters kostet und Berlin zusätzlich mehr als 50.000 Euro.



