Tim Cook räumt ein, dass Apple die Nachfrage nach iPhones und Macs in den vergangenen Monaten unterschätzt hat – trotz bereits hoher Absatzprognosen. Der scheidende Konzernchef sprach in einer Telefonkonferenz mit Analysten von „weniger Flexibilität“ als üblich und gravierenden Engpässen bei kombinierten Chipsystemen, dem Herzstück der Apple-Geräte.
Produktionskapazitäten sind ausgebucht
Vor dem erwarteten Start der nächsten iPhone-Generation fehlen dem US-Techkonzern offenbar wichtige Bauteile. Das Problem seien aktuell vor allem knappe Produktionskapazitäten bei System-on-a-Chip-Komponenten, die Prozessor, Grafik und weitere Funktionen vereinen. Diese Chips sind das Herzstück von Apple-Geräten wie iPhones und Macs. Cook erklärte, in anderen Jahren wäre ein solches Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage für Apple dank seines Gewichts bei Zulieferern leichter zu bewältigen gewesen. Doch aktuell seien die Chipfabriken ausgebucht. Für viele Kunden dürfte entscheidend sein, ob die neuen Geräte pünktlich lieferbar sind.
Der Grund ist der KI-Boom: Wegen des enormen Bedarfs an Halbleitern für den beschleunigten Ausbau von Rechenzentren werden derzeit weltweit sehr viele Chips bestellt. Die Kapazitäten sind daher Monate im Voraus verplant. Ausgerechnet jetzt läuft bei Apple traditionell die Produktion neuer iPhone-Modelle an, die im Herbst auf den Markt kommen sollen. Ob die neuen Telefone wie üblich im September vorgestellt werden, ließ der Konzern offen. Branchenkenner gehen jedoch fest davon aus. Der Finanzdienst Bloomberg berichtet außerdem, dass in diesem Jahr erstmals ein aufklappbares iPhone-Modell erscheinen könnte. Ein solches Gerät wäre eine Premiere für den Konzern und könnte neue Käuferschichten erschließen.
iPhone-Umsatz steigt deutlich
Die Nachfrage nach dem wichtigsten Apple-Produkt ist ungebrochen. Im vergangenen Quartal stieg der iPhone-Umsatz im Jahresvergleich um fast 22 Prozent auf 54,25 Milliarden Dollar, umgerechnet rund 47 Milliarden Euro. Damit übertraf Apple die durchschnittlichen Erwartungen der Analysten. Laut Marktforschern legte nicht nur der Absatz zu, sondern auch der durchschnittliche Verkaufspreis dürfte höher gelegen haben. Eigene Absatzzahlen nennen die großen Anbieter schon seit Jahren nicht mehr.
Das iPhone macht weiterhin rund die Hälfte des Apple-Geschäfts aus. Insgesamt kletterte der Umsatz in dem am 30. Juni abgeschlossenen Vierteljahr um 16 Prozent auf gut 109,4 Milliarden Dollar. Der Gewinn stieg unterm Strich um 27 Prozent auf knapp 29,8 Milliarden Dollar. Dazu trugen laut Apple auch bereits verbuchte Rückzahlungen von US-Importzöllen bei. Diese stehen dem Konzern zu, nachdem das Oberste Gericht der USA einige Maßnahmen von Präsident Donald Trump gekippt hatte.
Allerdings konnte Apple in zwei Bereichen die Analystenerwartungen nicht erfüllen: bei den Dienstleistungen und im China-Geschäft. Trotz Zuwächsen fielen die Ergebnisse dort hinter die hochgesteckten Prognosen zurück. Die Aktie gab im nachbörslichen US-Handel zeitweise um rund sechs Prozent nach.
Speicherchips werden deutlich teurer
Wie anderen Computer-Anbietern macht auch Apple der drastische Preisanstieg bei Speicherchips zu schaffen. Unter Verweis auf die Kostenexplosion hatte der Konzern vor wenigen Wochen die Preise für mehrere Gerätekategorien erhöht. Die iPhones blieben von den Anhebungen ausgenommen. In der Telefonkonferenz verwies Cook darauf, dass es auf dem DRAM-Speichermarkt nur drei große Anbieter gibt. „Es wäre gut, wenn es mehr Lieferanten gäbe“, sagte er. In der Branche wird dieser Satz als Aufruf verstanden, Apple und anderen US-Unternehmen den Kauf chinesischer Speicherchips zu erlauben. Dagegen gibt es wegen des Handelskonflikts zwischen Washington und Peking Widerstände in der US-Regierung.
Abschied nach 15 Jahren
Das Ende Juni abgeschlossene Quartal war das letzte volle Quartal unter Cooks Führung. Der 64-Jährige hatte im September 2011 den Firmengründer Steve Jobs abgelöst und übergibt den Chefposten nun nach 15 Jahren an den bisherigen Hardware-Boss John Ternus. Cook bleibt dem Unternehmen aber erhalten – Details zu seiner künftigen Rolle wurden nicht genannt. Apple hatte den Wechsel bereits im August angekündigt. Für Ternus ist die Chip-Knappheit eine der ersten großen Bewährungsproben. Damit endet eine Ära, in der Apple vom iPhone-Hersteller zum Anbieter von Dienstleistungen und Wearables wurde.



