Apple verschiebt die Markteinführung seiner geplanten Smart Glasses. Das berichtet der gut vernetzte Bloomberg-Reporter Mark Gurman. Statt wie ursprünglich geplant im Jahr 2026 sollen die Datenbrillen nun auf der Entwicklerkonferenz WWDC im Juni 2027 vorgestellt werden und Ende 2027 in den Handel kommen. Grund dafür sind offenbar nicht technische Probleme, sondern Sorge um den Ruf des Konzerns – konkret um den Schutz der Privatsphäre.
Hintergrund: Apples Pläne
Schon im Frühjahr 2025 hatte Gurman berichtet, dass Apple an einer Brille mit Augmented-Reality-Funktionen arbeite, ähnlich der Meta-Brille. Damals war die Präsentation für Ende 2026 und der Marktstart für 2027 vorgesehen. Dieser Zeitplan sei nun hinfällig. Apple selbst hat die Existenz des Projekts nie bestätigt – das Unternehmen schweigt grundsätzlich zu unangekündigten Produkten. Der neue Plan sieht vor, Entwicklern auf der WWDC 2027 die nötigen Werkzeuge für Brillen-Apps bereitzustellen, bevor die Brille im Herbst 2027 in den Läden liegt.
Datenschutz als Stolperstein
Die Verzögerung hat laut Gurman wenig mit Hardware-Schwierigkeiten zu tun. Apple wolle vielmehr vermeiden, in dieselbe Schlangengrube zu geraten wie Meta. Dessen Smart Glasses sind in die Kritik geraten, weil Nutzer die eingebaute Kamera missbrauchen: Sie filmen heimlich Frauen und veröffentlichen die Aufnahmen im Internet. Eine LED soll bei aktiver Kamera leuchten, doch im Netz kursieren Anleitungen, diese zu manipulieren. Meta kündigte kürzlich zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen an, aber der Imageschaden ist groß. An Orten wie New Yorker Gerichtssälen, auf Kreuzfahrtschiffen und in Potsdamer Schwimmbädern ist das Tragen der Brille bereits verboten.
Apples Ruf als Datenschutz-Champion
Apple kann sich einen solchen Skandal nicht leisten. Der Konzern hat sich jahrelang als Hüter der Privatsphäre positioniert. Auf fast jeder Präsentation betont CEO Tim Cook die Bedeutung des Datenschutzes. „Datenschutz ist ein Grundrecht“, wiederholt er regelmäßig. Sollten Apples Smart Glasses in die gleiche Schublade wie Metas Brille gesteckt werden, wäre das verheerend. Daher arbeiten Entwickler und Marketingabteilung fieberhaft daran, alle Zweifel an der Privatsphäre der Brille auszuräumen. Wie sie das erreichen wollen, ist nach Gurmans Informationen noch unklar.
Mögliche Lösungen
Eine pragmatische Option wäre, ganz auf eine Kamera zu verzichten. Solche KI-Brillen gibt es bereits, etwa die Even Realities G2. Doch damit verlöre die Brille zwei Hauptverkaufsargumente: die Möglichkeit, spontan Fotos und Videos aufzunehmen, und die Option, der KI Fragen zu dem zu stellen, was man sieht. Eine halbgare Lösung wäre eine Kamera, die nur die KI füttert, aber keine Bilder speichert. Ein israelisches Start-up entwickelt sogar eine Kamera, die nur für Maschinen lesbare Daten liefert. Für Nutzer wäre das enttäuschend. Apple könnte auf ein unübersehbares, nicht manipulierbares Lichtsignal oder einen lauten Warnton setzen – eine schwierige Abwägung zwischen Nutzerinteressen, Marketing und öffentlicher Meinung.
Timing für 2027
2027 wird für Apple ein entscheidendes Jahr: Das iPhone feiert 20. Geburtstag. Spekulationen um ein Jubiläumsmodell mit grundlegend neuem Design sind bereits laut geworden. Der damalige Apple-Chef Steve Jobs präsentierte das erste iPhone im Januar, der Verkauf startete im Juni. Sollte Apple nun das Jubiläums-iPhone auf der WWDC im Juni vorstellen, könnte das der Brille die Show stehlen. Die Koordination mehrerer neuer Produkte in diesem und nächstem Jahr wird für Apples Marketingabteilung zur Herausforderung des Jahrzehnts. Wie die endgültige Lösung für die Smart Glasses aussieht, bleibt spannend – eines ist klar: Apple wird alles tun, um seinen Ruf als Datenschutzvorreiter nicht zu beschädigen.



