Berlin, Magdeburg, München: Immer wieder werden Autos in Deutschland als tödliche Waffen missbraucht. Hinter den Taten stehen unterschiedliche Motive – von Terrorismus bis zu persönlichen Konflikten. Gemein ist vielen Fällen, dass die Opfer zufällig getroffen werden. Seit 2016 starben dabei mehr als 34 Menschen. Ein Überblick.
Jüngster Fall: CSD-Anschlag in Berlin
Am 27. Juli 2026 fuhr ein mutmaßlicher Täter in Berlin in eine Menschenmenge beim Christopher Street Day. Der mutmaßliche Attentäter wurde später von der Polizei getötet. Eine 56-jährige Frau starb, ihre Tochter wurde verletzt. Die Ermittler gehen von einem islamistischen Hintergrund aus.
Leipzig, Mannheim, München: Weitere Angriffe 2025 und 2026
Am 4. Mai 2026 fuhr ein 33-jähriger Deutscher in der Leipziger Innenstadt mit einem weißen Auto in eine Menschenmenge. Zwei Menschen starben, weitere wurden verletzt. Die Ermittler gehen von einer Amokfahrt ohne politisches Motiv aus. Der Täter wurde in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen.
Am 3. März 2025 fuhr ein 40-jähriger Deutscher aus Rheinland-Pfalz in Mannheim in den Rosenmontagszug. Zwei Menschen kamen ums Leben, mehrere wurden verletzt. Ein religiöser oder politischer Hintergrund wurde ausgeschlossen.
Am 13. Februar 2025 steuerte der 24-jährige Afghane Farhad N. seinen Kleinwagen bewusst in einen Demonstrationszug der Gewerkschaft Verdi mit rund 1.400 Teilnehmern. Eine Mutter und ihre zweijährige Tochter starben, mehr als 40 weitere Menschen wurden verletzt. Die Bundesanwaltschaft geht von islamistischem Terrorismus aus. Seit Januar 2026 läuft der Prozess am Oberlandesgericht München.
Magdeburg: Anschlag auf Weihnachtsmarkt mit sechs Toten
Am 20. Dezember 2024 raste Taleb Al-Abdulmohsen aus Saudi-Arabien mit einem PS-starken Mietwagen auf den belebten Weihnachtsmarkt in Magdeburg. Fünf Frauen und ein neunjähriger Junge starben, Hunderte Menschen wurden verletzt. Im Juni 2026 wurde der 51-Jährige zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht stellte ein komplexes Motivbündel fest, darunter Rachefantasien gegenüber Deutschland. Ein psychiatrischer Sachverständiger bescheinigte ihm eine narzisstische Persönlichkeitsstörung.
Berlin 2022: Lehrerin stirbt bei Schülerausflug
Am 8. Juni 2022 fuhr ein 29-jähriger Deutsch-Armenier am Kurfürstendamm mit dem Auto seiner Schwester in eine Schülergruppe aus Bad Arolsen. Eine Lehrerin starb, mehrere Menschen wurden teils schwer verletzt. Die Staatsanwaltschaft fand keinen terroristischen Hintergrund und ging von einer psychischen Erkrankung aus. Der Mann kam in ein psychiatrisches Krankenhaus.
Witzenhausen: Kind stirbt vor Kita
Am 29. Oktober 2021 fuhr ein 31-jähriger Mann in Witzenhausen vor einer Kita in eine Kindergruppe. Ein achtjähriges Mädchen starb im Krankenhaus. Das Gericht stellte eine paranoide Schizophrenie mit Verfolgungswahn fest. Der Täter kam in ein psychiatrisches Krankenhaus.
Trier 2020: Sechs Tote in Fußgängerzone
Am 1. Dezember 2020 fuhr ein 51-jähriger Deutscher mit hoher Geschwindigkeit durch die belebte Fußgängerzone in Trier. Er steuerte gezielt auf Menschen zu, um möglichst viele zu töten. Sechs Menschen starben, darunter ein neun Wochen altes Baby. Mehr als 20 Menschen wurden teils schwer verletzt. Das Gericht urteilte, dass der Mann aufgrund einer paranoiden Schizophrenie an Wahnvorstellungen litt. Er verbüßt eine lebenslange Freiheitsstrafe in einem psychiatrischen Krankenhaus.
Rosenmontag 2020: 88 Verletzte in Karnevalszug
Am 24. Februar 2020 steuerte ein 29-jähriger Deutscher sein Auto beim Rosenmontagsumzug in die Menge. Mindestens 88 Menschen, darunter 26 Kinder, wurden teils schwer verletzt. Der Fahrer wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.
2019: Rechtsradikaler greift Feiernde an
Am 1. Januar 2019 steuerte ein Rechtsradikaler sein Auto in feiernde Menschen, die er für Ausländer hielt. 14 Menschen wurden verletzt. Der Täter kam in die geschlossene Psychiatrie.
2018: Mann fährt in Gruppe und begeht Suizid
Am 7. April 2018 fuhr ein 48-jähriger Deutscher mit einem Campingbus in eine Gruppe vor einer Gaststätte und erschoss sich anschließend. Zwei Menschen starben, 20 wurden teils schwer verletzt. Die Polizei nannte den Täter psychisch labil und suizidgefährdet.
2016: Schwerster islamistischer Anschlag auf Breitscheidplatz
Am 19. Dezember 2016 lenkte der tunesische Attentäter Anis Amri einen gestohlenen Lastwagen auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin. Zwölf Menschen starben, Dutzende wurden verletzt. Amri, Anhänger des Islamischen Staats, war zuvor geflohen und wurde einige Tage später von italienischen Polizisten erschossen.



