Berlin geht mit einer neuen Technologie gegen das Ärgernis illegaler Baustellen vor: Künftig sollen BVG-Busse mit Künstlicher Intelligenz (KI) ausgestattet werden, um nicht genehmigte Bauarbeiten aufzuspüren. Das digitale System DiKAS (Digitale Kontrolle von Arbeitsstellen an Straßen) wird derzeit getestet und soll den Verkehrsfluss verbessern.
Testfahrt auf der Linie 109
Eine Testfahrt mit einem BVG-Bus der Linie 109 zeigt, wie die Technik funktioniert. An der Frontscheibe ist eine Smartphone-Kamera angebracht, die kontinuierlich die Straße filmt. Die KI analysiert die Aufnahmen in Echtzeit und vergleicht sie mit einem digitalen Kataster genehmigter Baustellen. Erkennt die Software eine Abweichung, wird eine Meldung an die zuständigen Behörden gesendet.
„Die KI kann innerhalb von Sekunden feststellen, ob eine Baustelle angemeldet ist oder nicht“, erklärte ein Sprecher der BVG. „Das spart Personal und erhöht die Kontrolldichte.“ Berlin kämpft seit Jahren mit einer hohen Zahl unerlaubter Baustellen, die zu Staus und Behinderungen führen. Allein im Jahr 2025 wurden über 1.200 illegale Baustellen gemeldet.
Wie DiKAS funktioniert
Das System DiKAS wurde in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Berlin entwickelt. Es nutzt maschinelles Lernen, um Baustellenschilder, Absperrungen und Bagger zu erkennen. Die Kamera erfasst zudem GPS-Koordinaten und Zeitstempel. Die Daten werden verschlüsselt an eine zentrale Plattform übermittelt, wo sie mit der Datenbank der Straßenverkehrsbehörde abgeglichen werden.
Bislang waren Kontrollen aufwändig und stichprobenartig. „Mit DiKAS können wir quasi jeden Bus zum Scanner machen“, so die BVG. „Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, illegale Baustellen zu entdecken, enorm.“ Die Testphase läuft zunächst auf drei Linien, eine Ausweitung ist geplant.
Die Technik stößt jedoch auch auf Kritik. Datenschützer bemängeln die permanente Videoüberwachung im öffentlichen Raum. Die BVG betont, dass die Aufnahmen nur zur Baustellenerkennung genutzt und nach der Analyse gelöscht werden. Personen und Kennzeichen würden unkenntlich gemacht.
Auswirkungen auf den Verkehr
Illegale Baustellen sind ein großes Problem in Berlin: Sie blockieren Fahrspuren, führen zu Umleitungen und kosten Zeit und Geld. Nach Schätzungen der Industrie- und Handelskammer verursachen sie jährlich volkswirtschaftliche Schäden in Millionenhöhe. Die Stadt hofft, mit DiKAS die Zahl der Verstöße zu reduzieren und die Verkehrssicherheit zu erhöhen.
Die ersten Ergebnisse der Testphase sollen im Herbst 2026 vorliegen. „Wir sind zuversichtlich, dass die KI einen wichtigen Beitrag leisten kann“, sagte ein Sprecher der Senatsverwaltung für Verkehr. „Berlin wird so zur intelligenten Stadt.“



