Hunderte private Konversationen mit dem KI-Chatbot Claude von Anthropic waren über Google und andere Suchmaschinen öffentlich abrufbar. Der Vorfall ereignete sich am 28. Juli 2026 und betraf offenbar Nutzer, die die Teilen-Funktion aktiviert hatten. Erst nach Bekanntwerden in Internetforen schloss das Unternehmen die Sicherheitslücke.
Technische Schwachstelle ermöglicht Datenleck
Laut Medienberichten reichte eine einfache Suchanfrage aus, um bei Google, Bing und DuckDuckGo Hunderte Chatprotokolle zu finden. Darunter waren intime Details wie erotische Fantasien, geheime Kryptowallet-Codes, Patienteninformationen und Telefonnummern. Das US-Magazin „Wired“ berichtete, dass eine fehlende Metainformation die Ursache war: Anthropic blockierte zwar generell Suchroboter per robots.txt, unterließ es jedoch, in den einzelnen geteilten Konversationen ein Suchverbot zu platzieren.
Dadurch konnten Suchmaschinen die Links indexieren, sobald sie auf anderem Wege – etwa in Foren wie Reddit – auftauchten. „Wenn jemand eine Unterhaltung teilt, macht er diesen Inhalt öffentlich zugänglich“, erklärte ein Anthropic-Sprecher gegenüber der Website „Futurism.com“. Das Unternehmen betonte, es habe keine Panne gegeben. Dennoch sind die Chats inzwischen aus den Suchergebnissen verschwunden, während direkte Links zu geteilten Beiträgen weiterhin funktionieren.
Bekanntes Problem mit Chatbot-Leaks
Bereits vor einem Jahr meldete das US-Medium „Fast Company“, dass Tausende privater Anfragen samt Antworten des Chatbots ChatGPT im Internet abrufbar waren. Später waren auch andere Anbieter betroffen: Ein Update von Elon Musks Chatbot Grok spülte Hunderttausende Gespräche in den Google-Index. Anthropic selbst musste sich bereits kritischen Fragen stellen und hatte Google damals von den Anfragen seiner Kundschaft ausgesperrt.
Der neuerliche Vorfall zeigt, dass die Sicherheitsmaßnahmen der KI-Firmen weiterhin Lücken aufweisen. Experten empfehlen Nutzern, die Privatsphäre-Einstellungen ihrer Chatbots zu prüfen. Bei Claude kann man in den Einstellungen die Veröffentlichung jedes einzelnen Gesprächs separat widerrufen. Hunderte Millionen Menschen nutzen ChatGPT und ähnliche Dienste, oft vertrauen sie intime Details an – nicht immer bewusst, dass diese unter bestimmten Umständen öffentlich werden können.
Auswirkungen und Nutzerhinweise
Die betroffenen Chats waren nur dann sichtbar, wenn die Nutzer die Teilen-Funktion aktiviert hatten. Offenbar war einigen nicht bewusst, dass dadurch der gesamte Gesprächsverlauf für jedermann zugänglich wird. Anthropic reagierte nicht auf eine Anfrage von „Wired“ zu den genauen Umständen. Betroffene sollten ihre Privatsphäre-Einstellungen überprüfen und gegebenenfalls die Freigabe von Konversationen widerrufen.
Der Vorfall unterstreicht die Notwendigkeit eines bewussten Umgangs mit KI-Chatbots. Wer vermeiden möchte, dass private Gespräche in Suchmaschinen auftauchen, sollte die Teilen-Funktion deaktivieren oder nach der Nutzung wieder entfernen. Zudem ist ratsam, keine sensiblen Daten wie Passwörter oder persönliche Informationen preiszugeben.



