Juju44 bricht ihr Schweigen über das Ende von SXTN
Die Rapperin Juju44 (bürgerlich Judith Wessendorf) hat in einem Interview mit dem SPIEGEL erstmals ausführlich über die Trennung von ihrer damaligen Duo-Partnerin Nura im Jahr 2018 gesprochen. Der Bruch des erfolgreichen Female-Rap-Duos SXTN gilt als einer der größten Mythen im Deutschrap. Juju44 erklärte, dass sie die Trennung öffentlich gemacht habe, ohne vorher jemanden zu informieren – nicht einmal ihr Management. „Ich war so: Das muss ich jetzt für mich machen, weil sonst … Auch gesundheitlich und so: Ich war am Ende“, sagte die 33-Jährige.
Der Aufstieg von SXTN und der Druck des Erfolgs
Mit Songs wie „Fotzen im Club“ hatten Juju44 und Nura den deutschen Rap revolutioniert. Sie etablierten einen technisch einwandfreien, selbstbewussten und energetischen Female-Rap, der zuvor in dieser Form nicht existierte. Juju44 beschrieb die gemeinsame Zeit als prägend: „Zwei komplett nicht privilegierte Leute, die alles selber schreiben als Frauen, was es vorher gar nicht gab, rappen so wie Männer, aber eigentlich besser. Und geben Frauen und Jugendlichen eine Stimme – und sich selbst auch. Und verändern so komplett das ganze Deutschrap-Ding.“ Der Erfolg brachte jedoch auch enormen Druck mit sich. Juju44 betonte, dass es ihr bereits vor der Trennung gesundheitlich sehr schlecht gegangen sei: „Bevor wir uns getrennt haben, war es ja auch so, dass mir da auch schon richtig schlecht ging und dass ich da eigentlich auch nicht mehr konnte.“
Die Diagnose: ADHS und Autismus
Nach der Trennung und ersten Solo-Erfolgen nahm sich Juju44 eine Auszeit und suchte professionelle Hilfe. In der Therapie wurde bei ihr ADHS und Autismus diagnostiziert. Diesen Moment beschrieb sie als erlösend: „Das war der Moment, wo ich das erste Mal gecheckt habe: Okay, das ist etwas, das kann ich jetzt nicht kontrollieren und das ist was, das alles erklärt eigentlich. Ich erinnere mich richtig gut an den Tag, dass ich da wirklich nach langer Zeit mal wieder … Wenn man so durch die Wohnung springt und richtig glücklich ist.“ Die Diagnose half ihr, viele bisher unverstandene Aspekte ihres Lebens einzuordnen – sowohl in der Schule als auch im Umgang mit Menschen. Sie reflektierte: „Diese ganzen Sachen, die immer nicht geklappt haben oder auch in der Schule oder mit Menschen oder … Sachen, die ich nicht so konnte wie andere oder Sachen, die ich viel besser konnte als andere. Und ich habe das nie verstanden … Das habe ich in dem Moment alles verstanden.“
Blick in die Zukunft
Juju44 hat sich inzwischen erfolgreich als Solokünstlerin etabliert und nutzt ihre Plattform, um über psychische Gesundheit zu sprechen. Sie sieht bei vielen Kollegen ähnliche Symptome und vermutet, dass ADHS und Autismus in der Rap-Branche häufiger vorkommen, aber oft unerkannt bleiben. Das Interview ist Teil einer größeren SPIEGEL-Reportage über ihren rätselhaften Rückzug und ihr Comeback.



