Bayreuther KI-„Ring“: „Walküre“ enttäuscht mit KI-Bildern, Thielemann und Volle überzeugen
KI-„Walküre“ in Bayreuth: Gemischte Kritiken, Thielemann gefeiert

Der zweite Teil des umstrittenen KI-„Rings“ von Richard Wagner ist an den Bayreuther Festspielen mit gemischten Reaktionen gestartet. Die „Walküre“-Premiere am Dienstagabend zeigte erneut die Schwächen einer Inszenierung, die auf künstliche Intelligenz statt auf eine menschliche Regiehand setzt. Während die musikalische Darbietung unter Leitung von Christian Thielemann einhellig gefeiert wurde, erntete die bildgewaltige, aber wirre Projektionstechnik Kritik.

Wirre KI-Assoziationen statt klarer Regie

Marcus Lobbes, Direktor der Akademie für Theater und Digitalität in Dortmund, und sein Team haben die KI mit Daten zu Wagners Tetralogie gefüttert. Das Ergebnis sind Bildfolgen, die oft wahllos und unzusammenhängend wirken. So blendet die KI während des Walkürenritts im dritten Akt plötzlich eine grüne Schafswiese ein – eine Referenz, die selbst die Macher nicht erklären können. Auch die olympischen Ringe tauchen unvermittelt auf, etwa bei der Verbannung Brünnhildes auf den Flammenberg. Ob die KI damit auf das olympische Feuer anspielt oder einfach nur Assoziationen verarbeitet, bleibt offen.

Besonders irritierend war eine Einblendung des Wortes „Hakenkreuz“. Die KI scheint hier historische Bezüge zur Entstehungszeit des Rings oder zu späteren Interpretationen herzustellen, ohne sie jedoch sinnvoll in die Handlung einzubetten. Das Konzept, die KI als alleinigen Regisseur einzusetzen, stößt damit an seine Grenzen – ähnlich wie schon beim kürzeren „Rheingold“.

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Einheitskostüme und statische Figuren

Zur visuellen Verwirrung tragen auch die Kostüme bei. Alle Figuren sind in graue, vogelähnliche Flatterkostüme gehüllt, die sie nahezu identisch erscheinen lassen. Häufig verschwinden die Sänger hinter den Projektionen, sodass die Handlung schwer zu verfolgen ist. Bezeichnend ist, dass Klaus Florian Vogt in der „Walküre“ das gleiche Kostüm trägt wie im „Rheingold“ – obwohl er dort den Loge spielte und nun den Siegmund verkörpert. Für das Publikum wird dadurch die Unterscheidung der Charaktere erschwert.

Herausragende Sänger und ein gefeierter Dirigent

Musikalisch allerdings bot der Abend Spitzenklasse. Camilla Nylund als Brünnhilde und Michael Volle als Wotan wurden mit starkem Applaus bedacht. Volle, der bereits im Vorfeld als einer der Höhepunkte gehandelt worden war, überzeugte mit stimmlicher Präsenz und darstellerischer Tiefe. Auch Klaus Florian Vogt als Siegmund erntete Beifall, blieb aber gegenüber den beiden anderen etwas zurück.

Der eigentliche Star des Abends war jedoch Dirigent Christian Thielemann, ein langjähriger Favorit des Bayreuther Publikums. Unter seiner Leitung entfaltete das Orchester eine klangliche Wucht und Präzision, die die Schwächen der Inszenierung vergessen ließ. „Thielemann ist der Garant für den musikalischen Erfolg dieses Rings“, lobte ein Zuschauer nach der Vorstellung, wie die dpa berichtete.

Ausblick auf den dritten Teil

Die Bayreuther Festspiele feiern in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen – ein Anlass, der traditionell für besondere Inszenierungen steht. Der KI-„Ring“ ist eines der ambitioniertesten Projekte der Jubiläumssaison. Nach dem durchwachsenen Start mit „Rheingold“ und „Walküre“ bleibt abzuwarten, ob der dritte Teil, „Siegfried“, die Probleme der Bildsprache lösen kann. Bislang setzt Lobbes weiterhin auf die KI als Hauptakteur. Ob sich das Konzept letztlich bewährt, wird sich bei den folgenden Premieren zeigen.

Die Reaktionen des Premierenpublikums waren, so die dpa, „gemischt“. Während die Musik begeisterte, stießen die KI-Bilder auf Skepsis. Einige Besucher zeigten sich offen für die experimentelle Herangehensweise, andere vermissten eine kohärente Regiehandschrift. Klar ist: Der KI-„Ring“ bleibt ein kontroverses Experiment, das die Bayreuther Festspiele in ihrem Jubiläumsjahr prägt.

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