Ermittlern aus Deutschland und den USA ist ein Schlag gegen einen der weltweit größten Phishing-Dienste gelungen. Sie legten die Infrastruktur des Dienstes „Kratos“ lahm, der für den Diebstahl von Zugangsdaten Hunderttausender Opfer in über 30 Staaten verantwortlich sein soll, wie das Bundeskriminalamt (BKA) und die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main am Montag mitteilten. Der mutmaßliche Entwickler wurde in Indonesien festgenommen.
Baukasten für Kriminelle: So funktionierte Kratos
Bei Kratos handelte es sich den Angaben zufolge um einen digitalen Baukasten, mit dem Kriminelle täuschend echt wirkende Kopien von Webseiten, insbesondere von Microsoft-Authentifizierungs-Seiten, erstellen konnten. Opfern, die sich davon täuschen ließen, wurden über die manipulierten Webseiten Zugangsdaten und Passwörter gestohlen, die von den Tätern dann für weitere Straftaten verwendet wurden. Nach Angaben des BKA können das etwa weitere Phishing-Angriffe, der „Verkauf von Kundendaten an Dritte oder die Infiltration von Unternehmen durch die Ausbreitung über unternehmensweit genutzte Microsoft-Lösungen“ sein.
Zwei-Faktor-Authentifizierung ausgehebelt
Besonders gefährlich dabei: Das Kratos-System basierte darauf, dass nicht nur die jeweiligen Log-in-Daten, sondern darüber hinaus auch ein Cookie kopiert wurde. Damit konnte sich auch eine Zwei-Faktor-Authentifizierung umgehen. Das Geschäftsmodell der Betreiber des Systems wird als „Phishing as a Service“ bezeichnet. Gegen Bezahlung konnten Kriminelle Kratos für eigene Phishing-Kampagnen nutzen. Den Angaben zufolge wurde der Baukasten an mehr als 1800 Täter vermietet, die damit monatlich rund 15.000 Phishing-Kampagnen durchgeführt haben sollen.
Mehr als 200 Server unschädlich gemacht
Im Zuge der Aktion wurden mehr als 200 Server unschädlich gemacht. Die Ermittler geben sich zuversichtlich, die kriminelle Infrastruktur mit der Aktion komplett unschädlich gemacht zu haben. Mithilfe von Kratos unterstützte Phishing-Kampagnen seien dadurch nicht mehr möglich, bereits begonnene Aktionen können „nicht mehr fortgeführt werden“. Den Ermittlungsbehörden sei damit „erstmalig ein bedeutender Ermittlungserfolg gegen eine der weltweit gefährlichsten Phishing-as-a-Service-Gruppierungen“ gelungen.
BKA: „Pionierarbeit“ gegen Cyberkriminalität
„Wer im Internet mit gefälschten Webseiten Zugangsdaten stiehlt, darf sich nicht in Sicherheit wiegen“, sagte Carsten Meywirth, Leiter der Abteilung Cybercrime beim BKA. Er bezeichnet die erfolgreiche Aktion als „Pionierarbeit“ und sagt: „Mit diesem Schlag haben wir zudem die Gefahr, dass fortlaufend Hunderttausende Internetnutzer Opfer werden, abgewehrt.“



