EU plant Notfallmaßnahmen gegen KI-Sperren nach US-Blockade
EU plant Notfallmaßnahmen gegen KI-Sperren

Nachdem die US-Regierung unter Präsident Donald Trump Mitte Juni den Zugang zu zwei fortschrittlichen KI-Modellen des Unternehmens Anthropic vorübergehend blockiert hatte, will die Europäische Kommission nun konkrete Notfallmaßnahmen entwickeln, um Europa besser vor einseitigen Zugangsbeschränkungen zu schützen. Bis Ende des Jahres soll ein Aktionsplan vorliegen, der für den Fall greift, dass ein Drittstaat den Zugang zu KI mit potenziell bedrohlichen Cyberfähigkeiten einschränkt.

Hintergrund: US-Blockade von Anthropic-Modellen

Die US-Regierung hatte Anthropic, ein in Kalifornien ansässiges Unternehmen, angewiesen, den Zugang zu seinen KI-Modellen Fable 5 und Mythos 5 für alle Ausländer zu unterbinden. Begründet wurde dies mit der nationalen Sicherheit. Die Modelle gelten als besonders geeignet, um Schwachstellen und Sicherheitslücken in Software aufzuspüren. Anfang Juli hob die US-Regierung die Exportsperren nach mehr als zwei Wochen wieder auf.

EU-Kommission setzt auf eigene KI-Fähigkeiten

EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen betont die Notwendigkeit, eigene KI-gestützte Cyberfähigkeiten in Europa aufzubauen. „Wir können uns bei Fähigkeiten, die entscheidend für unsere Sicherheit sind, nicht allein auf außereuropäische Lösungen verlassen“, sagte Virkkunen. Dies sei zwar kostspielig, aber die Kosten, führende KI-Modelle nicht aufzubauen, seien noch höher.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Geplante Maßnahmen: Leitfaden und Testplattform

Die EU-Kommission will gemeinsam mit der EU-Cybersicherheitsagentur Enisa einen Leitfaden erarbeiten, der großen öffentlichen und privaten Institutionen helfen soll, Zugänge zu fortgeschrittenen KI-Modellen zu erhalten. Zudem ist eine sichere Plattform zum Testen von KI geplant, etwa mit simulierten Umgebungen. Diese soll Betreibern in der kritischen Infrastruktur – wie im Finanz-, Energie-, Gesundheits- oder Transportbereich sowie der öffentlichen Verwaltung – Erkenntnisse liefern. Bereits jetzt sollten Organisationen beginnen, IT-Schwachstellen mit Hilfe von frei zugänglichen KI-Modellen zu finden und zu beheben, mahnte die EU-Kommission an.

Regulierung und digitale Souveränität

In der EU obliegt die Regulierung von Künstlicher Intelligenz primär der Europäischen Kommission. Alle Anbieter müssen sich an das europäische KI-Gesetz halten. Die aktuellen Pläne sind Teil einer Strategie zur digitalen Souveränität, die darauf abzielt, die Abhängigkeit von außereuropäischen Technologien zu verringern. Die EU-Kommission betont, dass die Entwicklung eigener KI-Kapazitäten nicht nur eine Frage der Sicherheit, sondern auch der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit sei.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration