WhatsApp hat nach eigenen Angaben erneut versuchte Spähangriffe der umstrittenen israelischen Firma NSO Group vereitelt. Wie der Mutterkonzern Meta mitteilte, seien sogenannte Spearphishing-Attacken aufgedeckt und gestoppt worden. Dabei handelt es sich um gezielte Angriffe auf einzelne Nutzer, bei denen diese dazu verleitet werden sollen, auf schadhafte Links zu klicken.
Meta deckt Angriffe auf
In einem Beitrag auf der Meta-Website heißt es: „Nach der Untersuchung von Nutzermeldungen konnten wir Social-Engineering-Versuche, die mit der NSO Group in Verbindung standen, erfolgreich vereiteln.“ Die Täter hätten versucht, Nutzer dazu zu bringen, auf schädliche Links zu klicken, um sie auf externe Websites außerhalb von WhatsApp weiterzuleiten. Zudem seien verdächtige Testkonten und -gruppen erstellt worden, die der Messengerdienst umgehend gelöscht habe.
Hintergrund: jahrelanger Rechtsstreit
Der Fall hat eine lange Vorgeschichte. Bereits 2019 verklagte Meta die NSO Group in Kalifornien, nachdem bekannt geworden war, dass die Firma ihre Spionagesoftware Pegasus über eine Schwachstelle auf Smartphones einschleusen konnte. Pegasus wurde unter anderem gegen Journalisten, Oppositionelle und Menschenrechtler eingesetzt. 2021 setzte die US-Regierung die NSO Group auf eine schwarze Liste.
Im Jahr 2025 erzielte Meta mehrere juristische Erfolge: Eine Jury sprach dem Konzern 167 Millionen Dollar Strafschadenersatz zu, der später auf vier Millionen Dollar reduziert wurde. Eine Bezirksrichterin erließ zudem eine dauerhafte einstweilige Verfügung, die der NSO Group untersagte, WhatsApp anzugreifen. WhatsApp-Chef Will Cathcart erklärte damals: „Das heutige Urteil verbietet dem Spyware-Hersteller NSO, WhatsApp und unsere Nutzer weltweit jemals wieder ins Visier zu nehmen.“
Meta wirft Verstoß gegen Verfügung vor
Die nun bekannt gewordenen Angriffe wertet Meta als Verstoß gegen diese gerichtliche Anordnung. Das Unternehmen kündigte an, einen Antrag auf Feststellung der Missachtung gerichtlicher Anordnungen zu stellen. Cathcart schrieb auf X: „Die NSO Group verstößt weiter gegen US-Recht, sieben Jahre, nachdem wir aufgedeckt haben, dass sie Journalisten und Akteure der Zivilgesellschaft ins Visier nehmen.“ Ausländischen Spyware-Unternehmen dürfe nicht gestattet werden, die private Kommunikation von Menschen zu gefährden.
NSO Group schweigt
Die NSO Group hat auf eine Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters bisher nicht reagiert. Das Unternehmen wurde in Israel gegründet und hat dort seinen Hauptsitz. Im Herbst 2025 berichtete jedoch das Magazin „TechCrunch“, dass eine US-Investorengruppe die Mehrheit an der Firma übernommen habe. Ein Sprecher betonte damals, dass das Unternehmen weiterhin der Aufsicht und Regulierung durch die zuständigen israelischen Behörden unterliege, einschließlich des Verteidigungsministeriums.
Spannungen zwischen USA und Israel
Die erneute Auseinandersetzung zwischen Meta und der NSO Group fällt in eine Zeit angespannter Beziehungen zwischen den USA und Israel im Bereich der Spionage. Die „New York Times“ berichtete kürzlich, dass das Pentagon im Zusammenhang mit den Verhandlungen mit Iran eine wachsende Spionagegefahr durch Israel sehe.



