Hannover (dpa/lni) – Jugendliche verbringen viel Zeit in Online-Spielen. Auch Täterinnen und Täter sind dort aktiv: Das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen warnt vor Cybergrooming. Dabei geben sich Erwachsene häufig als Minderjährige aus und nutzen die Kommunikation während der Spiele, um gezielt Kontakt zu Kindern und Jugendlichen aufzunehmen und Vertrauen aufzubauen.
„Im weiteren Verlauf werden die Gespräche schrittweise in eine sexuelle Richtung gelenkt“, sagt eine LKA-Sprecherin. Ein mögliches Ziel ist es, Nacktfotos oder Videos zu bekommen, die dann für Erpressung, Nötigung oder Missbrauch eingesetzt werden können. Umso wichtiger sei, dass Jugendliche die Strategien der Täter kennen und sich selbst schützen können.
Warum Online-Spiele ein Risiko bergen
Online-Spielplattformen bieten Chat- und Sprachfunktionen, die von der Kommunikation mit Freunden bis zu unbekannten Personen reichen. Genau diese Offenheit machen sich Täter zunutze. In der Anonymität des Internets ist es leicht, eine falsche Identität anzunehmen. Die LKA-Experten raten deshalb, unbekannten Kontakten grundsätzlich mit Vorsicht zu begegnen.
Nach Angaben des LKA können sich Jugendliche durch Bildung und Prävention gut schützen. Wer die Täterstrategien kennt, kann Warnsignale früher erkennen und sich besser abgrenzen. Das gelte insbesondere, weil Jugendliche viel Zeit in Online-Spielen verbringen.
Diese Warnsignale sollten Jugendliche kennen
Wenn eine fremde Person auffallend schnell versucht, Vertrauen aufzubauen oder eine enge persönliche Beziehung entstehen zu lassen, ist das ein Alarmzeichen. Auch der Vorschlag, die Kommunikation in private Messenger oder andere unbeobachtete Kanäle zu verlagern, weist auf mögliches Cybergrooming hin. Ebenso sollten Jugendliche misstrauisch werden, wenn sie gebeten werden, die Unterhaltung geheim zu halten.
Weitere Warnsignale sind übertriebene Komplimente, zunehmend privaten und später intime Fragen. Ein Beispiel, das die LKA-Sprecherin nennt: „Du bist viel reifer als andere in deinem Alter.“ Auch Angebote von Guthaben oder Geschenken können auf einen gefährlichen Kontakt hindeuten. Gegenüber solchen Anbahnungsversuchen sollten Jugendliche klar die Grenze setzen.
So können Jugendliche sich schützen
Die LKA-Experten empfehlen: Intime Fragen oder unangenehme Nachrichten dürfen ignoriert werden, ohne sich dafür zu rechtfertigen. Niemand schuldet einer fremden Person Erklärungen. Diese Haltung zu verinnerlichen, hilft früh im Netz, Grenzen zu setzen.
Eindeutig intime Bilder oder Videos sollten niemals verschickt werden. Fordert ein Gegenüber solche Aufnahmen, ist der Kontakt sofort zu beenden. Die Person sollte blockiert und über die jeweilige Plattform gemeldet werden. Auf diese Weise können Plattformbetreiber eingreifen und den Account sperren.
Nach einem Vorfall richtig handeln
Schon ein ungutes Bauchgefühl reicht aus, um sich im besten Fall an eine Vertrauensperson zu wenden, raten die LKA-Experten. Wenn bereits Bilder oder Videos geteilt wurden, sollten Jugendliche unbedingt das Gespräch mit Eltern, einer Lehrkraft, der Schulsozialarbeit oder einer Beratungsstelle suchen. Scham oder Unsicherheit sind verständlich, aber die Schuld liegt in solchen Fällen bei der bedrängenden Person – nicht bei den Betroffenen.
Wer sich betroffen fühlt, sollte nicht überstürzt handeln. Stattdessen gilt es, mögliche Beweise zu sichern: Screenshots von Chatverläufen, Profilnamen und Nutzer-IDs. „Auch wenn die Inhalte belastend oder unangenehm sind, sollten sie nicht gelöscht werden, da sie für eine Meldung bei der Plattform oder für ein mögliches Strafverfahren von Bedeutung sein können“, erklärt die LKA-Sprecherin.
Beweise sichern, aber nicht weiterleiten
Ein zentraler Hinweis des LKA: Gesicherte Dateien dürfen nicht weitergeleitet werden. Wer kinder- oder jugendpornografische Darstellungen verbreitet, macht sich selbst strafbar. Bereits der Besitz solcher Inhalte ist in Deutschland verboten. Deshalb sollten die Beweise nur an offizielle Stellen gehen – etwa an die Plattform, die Polizei oder Beratungseinrichtungen.
Auf diese Weise kann eine Strafanzeige gestellt werden, ohne dass sich die Betroffenen selbst einer Straftat schuldig machen. Das LKA Niedersachsen setzt in der Prävention auf Aufklärung, damit Jugendliche die Gefahren beim Online-Spiel erkennen und sich wirksam schützen können.



