Fünf Kopfhörer für Klassik-Liebhaber von 279 bis 1800 Euro im Test
Kopfhörer-Test: Fünf Modelle für klassische Musik

Wer klassische Musik in bester Qualität hören möchte, ohne andere zu stören, sollte in einen guten Kopfhörer investieren. Fünf Modelle von 279 bis 1800 Euro wurden getestet – darunter vier Kabelkopfhörer und ein Bluetooth-Modell.

Warum offene Kopfhörer für Klassik ideal sind

Für klassische Musik empfiehlt sich ein offener, ohrumschließender Kopfhörer. Offene Bauweisen lassen den Klang räumlicher wirken, was besonders bei Live-Aufnahmen wichtig ist. Klassische Musik wird meist in Kirchen, Opernhäusern oder Studios aufgenommen – der Raumklang soll naturgetreu wiedergegeben werden. Daher sollten Kopfhörer möglichst neutral klingen, ohne Betonung von Mitten, Tiefen oder Höhen.

Kabelgebundene Kopfhörer werden von Audiophilen bevorzugt, da Bluetooth-Kompression Details verlieren kann. Im Test wurden vier Kabelmodelle und ein Bluetooth-Kopfhörer verglichen. Als Referenz dienten Mahlers 8. Sinfonie unter Daniel Harding mit den Berliner Philharmonikern und Schuberts Winterreise mit Dietrich Fischer-Dieskau.

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Die getesteten Kopfhörer im Detail

Sennheiser HD 505 (279 Euro)

Der HD 505 ist Sennheisers Einsteigermodell für offene, kabelgebundene Over-Ear-Kopfhörer. Das Kunststoffgehäuse wirkt schlicht, aber klanglich überzeugt er: Bei komplexen klassischen Werken baut er eine erstaunlich weite Bühne auf. Er ist nicht ganz so fein abgestimmt wie Spitzenmodelle, bei tiefen Frequenzen wirkt er mitunter kraftlos. Sein Fokus liegt auf den Mitten – Stimmen erhalten ein realistisches Timbre, wirken intim, ohne aufdringlich zu sein. Der Tragekomfort ist hoch: Der leichte Sitz und das weiche Velours sind auch bei langem Hören angenehm. Das Kabel wird einseitig an der linken Muschel eingesteckt, im Lieferumfang sind ein 3,5-mm-Klinkenkabel und ein 6,3-mm-Adapter enthalten.

Grell OAE2 (499 Euro)

Grell, gegründet 2020, hat mit dem OAE2 seinen zweiten Kopfhörer auf den Markt gebracht. Die Treiber sind schräg platziert, um eine Konzertsituation zu simulieren – die Musik kommt von vorne, nicht von den Seiten. Das klingt zunächst ungewohnt, erzeugt aber bei klassischer Musik einen sehr räumlichen Klang. Der Klang ist nicht ganz so transparent wie bei manchen anderen Modellen, der Höhenanteil wirkt manchmal etwas betont. Insgesamt ist der OAE2 gut abgerundet und bildet komplexe Orchestermusik detailreich ab. Der Sitz ist überraschend stramm, große Köpfe könnten bei langen Sessions Druck empfinden. Zwei Audiokabel liegen bei: eines mit 4,4-mm-Stecker, eines mit 3,5-mm-Stecker und 6,3-mm-Adapter.

Beyerdynamic T1 (799 Euro)

Der T1 von Beyerdynamic ist für den Musikgenuss zu Hause konzipiert. Er hat einen sehr warmen Klang, der nicht neutral ist, sondern den Sound einfärbt. Bei orchestralen Stücken kommen Blechbläser und Streicher satt, ohne zu wummern. Klavierpassagen sind voll und präsent, Pauken lassen Vibrationen spüren. In den Höhen kann er etwas abgedunkelt wirken, was bei hellen Geigen oder hohen Stimmen auffällt. Die Treiber sind leicht nach vorn angewinkelt, was einen räumlichen Klang erzeugt – man sitzt gefühlt nah an der Bühne. Der Tragekomfort ist dank guter Gewichtsverteilung hoch, allerdings überträgt das textilummantelte Kabel Raschelgeräusche in die Ohren. Das drei Meter lange Kabel wird beidseitig angeschlossen, ein 3,5-mm-Klinkenstecker und ein 6,3-mm-Adapter sind enthalten.

Focal Bathys MG (1199 Euro)

Der Bathys MG ist das einzige Bluetooth-Modell im Test und eine überarbeitete Version des ersten kabellosen Kopfhörers von Focal. Viele kabellose Kopfhörer liefern basslastigen Sound, der Bathys MG hingegen klingt dynamisch und natürlich. Die aktive Geräuschunterdrückung (ANC) sorgt für Stille. Allerdings überträgt er jeden Schritt als dumpfes Geräusch. Der Klang ist nicht ganz so luftig wie bei offenen Modellen, aber Streicher und Holzbläser entfalten eine schöne Lebendigkeit. Die tiefen Register haben Substanz, ohne die Mitten zu erdrücken. Per USB-C kann der integrierte DAC hochauflösende Formate verarbeiten – dann gewinnt der Klang an Präzision. Tragekomfort: echtes Leder und Mikrofaser fühlen sich hochwertig an, aber bei geschlossener Bauweise werden die Ohren warm. Neben Bluetooth kann der Kopfhörer per 3,5-mm-Klinke oder USB-C genutzt werden.

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Sennheiser HD 800 S (1799 Euro)

Der HD 800 S ist Sennheisers Premium-Modell für den Heimgebrauch. Er bietet eine gigantische akustische Weite, die im ersten Moment surreal wirkt. Die Mitten sind extrem transparent – jedes Atmen, Streichen oder Knarzen ist hörbar, sofern die Aufnahme es hergibt. Bei großen Symphonieorchestern entfaltet er einen dreidimensionalen Klang, der an Philharmonien erinnert. Einzelne Instrumentengruppen sind sauber separiert, der Klang bleibt luftig und voll. Höhen gibt er klar ohne Schärfe wieder. Pompösen Pauken mag es manchmal an Druck fehlen, da auf Bassanhebung verzichtet wird. Wegen der hohen Impedanz von 300 Ohm ist ein Kopfhörerverstärker oder DAC zwingend erforderlich. Der Tragekomfort ist trotz der Größe schwerelos, aber auf schmalen Köpfen kann er bei Bewegungen rutschen. Zwei Kabel liegen bei: eines mit 6,3-mm-Klinke, eines mit 4,4-mm-Anschluss.

Fazit

Wer das nötige Kleingeld hat, greift zu den Sennheiser HD 800 S. Wer einen günstigeren, aber ausgewogenen Kopfhörer sucht, der klassische Musik detailreich und neutral wiedergibt, liegt mit dem Grell OAE2 richtig. Der Beyerdynamic T1 überzeugt mit warmem Klang, der Focal Bathys MG als Bluetooth-Alternative mit Dynamik. Der Sennheiser HD 505 ist ein solider Einstieg.