Microsoft baut in Grevenbroich: Das vierte Rechenzentrum im Rheinischen Revier
Microsoft plant den Bau eines weiteren Rechenzentrums im nordrhein-westfälischen Grevenbroich. Es wäre der vierte Standort des Konzerns im Tagebaugebiet des Rheinischen Reviers. Damit verlagert sich der KI-Boom zunehmend in die Provinz. Bislang waren Rechenzentren in Europa auf wenige Knotenpunkte konzentriert: die Räume um Frankfurt, das niederländische Amsterdam und Irlands Hauptstadt Dublin. Doch alle drei Regionen stoßen an ihre Grenzen.
Grenzen der Ballungszentren: Wartezeiten von bis zu 13 Jahren
In Frankfurt sieht es noch besser aus als in Amsterdam oder Dublin. Aber auch dort müssen Betreiber bis zu 13 Jahre auf einen Stromanschluss für ein Datacenter warten. Diese Engpässe treiben die Verlagerung in andere Regionen voran. Das Rheinische Revier bietet Platz für Bauprojekte und aufgrund seiner Historie im Braunkohleabbau in vielen Fällen bereits vorhandene Stromanschlüsse. Nicht umsonst suchen Betreiber unter anderem nach stillgelegten Kraftwerken für ihre Projekte.
Wandel der Standortfaktoren: Latenz verliert an Bedeutung
Bislang galt die Latenz, also die Verzögerung bei der Datenübertragung, als entscheidender Faktor bei Rechenzentren. Die Daten sollten räumlich so nah wie möglich an die Endkunden kommen. Bessere Übertragungstechnologien bedeuten jedoch, dass andere Regionen attraktiver werden. Microsoft-Manager Ansgar Baums kündigte das Rechenzentrum auf der Handelsblatt-Konferenz „Datacenter-Standort Deutschland“ an. Er betonte die Chancen, aber auch die Konflikte, die mit dem Boom einhergehen.
Chancen und Konflikte in der Provinz
Die Ansiedlung von Rechenzentren bringt Arbeitsplätze und Investitionen, aber auch Herausforderungen wie Flächenverbrauch und Energiebedarf. Die Machtfrage, wer über die Standorte entscheidet, bleibt offen. Während Microsoft in Grevenbroich baut, könnten weitere Unternehmen folgen. Die Entwicklung zeigt, dass der KI-Boom nicht mehr auf Metropolen beschränkt ist, sondern zunehmend den ländlichen Raum erfasst.



